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Menorah · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 658

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Article
Die Emanzipation
Date
1928-11-01
Page
Seite 658 (sequence 5)
Language
German
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658 MENORAH meinden des Königreiches an die Kammer der Abgeordneten gerichtet, wo damals die lebhaftesten Sympathien für die Sache der religiösen und bürgerlichen Freiheit sich regten. Der protestantische Dekan Bauer aus Bamberg vertrat als Landtagsabgeordneter die Eingabe der mittelfränkischen Landgemeinden. Auch viele christliche Gemeinden in Städten und Dörfern der Rheinpfalz wurden beim Landtag für die Emanzipation der Juden vorstellig. Mitte März empfing der König eine unter Führung des Barons Jakob von Hirsch aus Würzburg stehende Abordnung, um aus ihren Händen ein Memoire entgegenzunehmen. In der Kammer selbst sprachen sich alle Parteien, insbesondere die protestantischen Geistlichen, zugunsten der Juden aus. Nur der durch Gelehrsamkeit ausgezeichnete Dr. Ignaz Döllinger, der aber drei Jahre später seine Ansicht änderte, beeinflußte mit seinem akademischen Vortrag die Stimmung der Kammer zuungunsten der Juden, so daß dieselbe sich in ihrer Sitzung vom 7. Mai 1846 nur für die Beseitigung der in bürgerlich-rechtlicher Beziehung noch bestehenden Ausnahmegesetze aussprach. Wieder ließ das Ministerium statistische Angaben sammeln und Gutachten sowohl von den Behörden als auch von den Rabbinern einfordern. Während aber die gründlichen Regierungsbeamten mit der versprochenen „reifen Erwägung" der Emanzipationsfrage beschäftigt waren, kam am politischen Himmel ein Tinwetter heraufgezogen, vor dem die Säulen des Thrones wankten, der Märzsturm der revolutionären Bewegung vom Jahre 1848. Die Versprechungen der kgL Proklamation vom 6. März 1848, ergänzt durch die Thronrede, wurden in den Gemeinden mit freudigster Erregung aufgenommen. Einen Dämpfer auf diese hoffnunggeschwellte Stimmung setzten aber die antisemitischen Ausschreitungen, mit denen gegen MitteMärz das Fest der jungen Volksfreiheit in Städtchen und Dörfern von Oberfranken gefeiert wurde. Nichtsdestoweniger hielten es die Großgemeinden für ihre Pflicht, die Gunst der Zeit Verhältnisse nicht ungenutzt vorübergehen zu lassen. Und ihre Bestrebungen wurden diesmal sogar von den Stadtbehörden der bayerischen Großstädte durch ihrerseits an den Thron gerichtete Adressen unterstützt. Und dennoch! Kaum hatte das Unwetter sich verzogen und der Lärm hochtönender Worte sich gelegt, da standen die bayerischen Israeliten wieder einmal am Grabe ihrer Hoffnungen. Der Frühlingssturm des Jahres 1848 hatte ihnen nur eine Frucht reifen lassen: das Landtagswahlrecht. Zwei Abgeordnete jüdischen Bekenntnisses, Dr. Morgenstern aus Fürth und Dr. Arnheim aus Bayreuth, kamen in den neuen Landtag vom Jahre 1849, und an ihnen hatten die bayerischen Israeliten nicht bloß zwei lebendige Zeugen ihrer Reife und Mündigkeit sondern auch weithin hörbare Vertreter und Anwälte ihrer

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