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Menorah · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 644

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Article
Jüdisches Theater
Date
1928-11-01
Page
Seite 644 (sequence 4)
Language
German
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644 MENORAH trug er doch den Stempel der Konzession gegenüber den Wünschen der Moskauer Machthaber an der Stirne. Nicht dieser Gegensatz zwischen den steifen stolzen Frauen im Hintergrunde und den armseligen Elenden, die dem Golde ihren Jammer vortanzen, macht die Kunst der Habimah revolutionär, sondern einzig und allein der große Geist der Gemeinschaft, der alles erfüllte, was sie spielten. Daß sie eineinhalb Jahre Tag und Nacht an einem Stücke probten, mag kennzeichnend sein, aber die Zahl der Proben allein hätte nicht fertiggebracht, was hier geleistet wurde. Das vermochte nur die volle Hingabe und das letzte Bewußtsein, daß es ein heiliger Dienst war, zu dem sie berufen waren. Es hat seinen guten und sofort erkennbaren Grund, daß das „M o s k a u e r A k a demische Künstlertheate rk\ das augenblicklich mit außergewöhnlichem Erlolge die deutschen Städte bereist, in Moskau bislang kein geduldetes, sondern ein offizielles, vom Staate gefördertes Theater war. Erst in allerletzter Zeit haben sich die Beziehungen zwischen dieser Bühne und den Sowjetbehörden getrübt. Dies Theater ist wirklich in jedem Sinne revolutionär. Zum mindesteji muß es in Moskau mit allen Wassern der Revolution gewaschen worden sein. Man erzählt, daß es dort von Zeit zu Zeit Balletts gegeben habe, in denen die Reine der Tänzerinnen mit Gebetriemen umwickelt waren. Was wir hier sahen, war im Vergleich dazu noch recht zahm, und weil es zahm war, weil Granowski, der kluge Leiter des Theaters, dem jüdischen Westeuropa Konzessionen machte, darum ergaben sich Differenzen mit der Heimat, die bereits zu Alarmnachrichten führten, daß die Truppe nach Moskau nicht zurückkehren dürfe. Die Moskauer sind seit der Wilner Truppe die erste bedeutende jiddische Bühne, die wieder hier im Westen gespielt hat. Es ist eine Art Operettentheater und hervorgegangen aus den alten Goldfadenschen Traditionen; nur daß eben hier die höchste Kunst entfaltet wurde, um etwas ganz neues, auch innerlich Revolutionäres auf die Füße zu stellen. Wenn ich die Moskauer in die Reihe der beiden anderen Truppen einordnen soll, so möchte ich sagen, daß hier eine im eminenten Sinne intellektuelle Kunst entfaltet wird. Es scheint als habe Granowski der motorischen Bewegtheit des Ostjuden symbolischen Ausdruck zu geben versucht. wSo gekonnt und bewundernswert die Regiebilder, das Tänzerische, das Rhythmische in Gesamtbild und Einzelleistung herauskommen, erscheint doch alles etwas technisiert, erklügelt und überspitzt, vor allem in dem ietztgespielten

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