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Menorah · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 643

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Article
Jüdisches Theater
Date
1928-11-01
Page
Seite 643 (sequence 3)
Language
German
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JÜDISCHES THEATER 643 bedeutet. Gerade der Vergleich der D\ buk-Aufführung, wie die Wilner sie brachten und wie die Habimah sie uns vermittelte, erweist das auf eine schöne und klare Art. Bei dieser etwas strengen und wohl auch kühlen Wirkung spielte natürlich schon die verschlossene Mystik des Hebräischen eine bedeutende Rolle. Brennender und leidenschaftlicher eröffnete sich uns die Dichtung im jüdischen Sprachgewand. Auch die Art, wie das Hebräische gesprochen wurde, hatte etwas Gemessenes und beinahe Feierliches, in der Mimik zeigte die Maske etwas Antikgroßartiges, während die Geste weit und überzeichnet war. In den heiligsten Augenblicken sogar von einer fast überstrengen, ans Steife grenzenden Form. Bemerkenswert war, daß im Musikalischen und rein Rhythmischen der unmittelbare Anschluß an das Jüdische gesucht und gefunden war, das in vielen Rhythmen wiederkehrende Leitmotiv war ein einfacher östlicher Niggun, in den die Batlonim ihre Sehnsucht, die Kabzonini ihre Ausgelassenheit und Verzweiflung, der Rabbi seine schmerzliche Strenge goß. Im Allgemeinen wird der naive Zuschauer im Bühnenbild und in der Architektur der Regie, auch in der Maske eine Art Expressionismus erblickt haben, während es in Wirklichkeit eher ein Supcmaturalismus war, der dort in allen kleinen und großen Szenen sein sonderbares Spiel trieb. In der Tat ein revolutionäres Theater, und zwar von Grund auf revolutionär. Nicht wie bei Piscator eine kalte Technik, die unter Verwechslung von Zweck und Mittein, statt in revolutionären Themen künstlerischen Ausdruck zu suchen, im Felde der Kunst mit revolutionären Absichten herumwilderte und den Keim des Untergangs in sich selber trug. Die herrlichste Offenbarung an dem ganzen Dybukspiel der Habimah war für den Schreiber dieser Zeilen das Doppelspiel im letzten Akt zwischen dem Rabbi und dem Schammes. Dieser junge Friedland war überhaupt eine der besten Kräfte der Truppe, in Maske, Geste und Sprache ein einziges Echo seines von Tschemerinski herrlich verkörperten Rabbis und Meisters. Aufgesogen vom Atem des heiligen Juden, spielte er die ganze Rolle des Dieners mit Zittern und Beben, dieselben Falten, die der Weise erhaben auf seiner Stirne trug, durchfurchten die dürftigere Stirne des Dieners, der stets die letzten Worte seines Meisters auffing und im Gleichklang seiner zitternden Stimme weitertrug. Die Truppe hätte sich den Bettlet tanz im dritten Akte mit seiner pharusgleichen sozialpolitischen Ueberdeutlichkeit ersparen können. So unerhört gekonnt er auch bis in die kleinsten Einzelheiten war.

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