Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Jüdisches Theater
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 642 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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642 MENO R A II steigendem Ehrgeiz bei mächtigen Erfolgen in die Weite strebten. Sie waren die ersten, die das jüdische T heater uns vermittelten. Zwischen den Wilnern und der Habimah liegt nicht nur der Unterschied und Gegensatz des Jiddischen und Hebräischen, sondern vor allen Dingen die russische Revolution. Die Habimah ist in Wirklichkeit als revolutionäres Theater entstanden, und wenn sie wegen ihrer hebräischen Sprache von den Sowjetbehörden in Moskau auch nur geduldet war, so hat sie doch das beste Stück des revolutionären Geistes zu uns hinübergebracht. Auch hier waren es Dilettanten die sich zusammengefunden hatten, und zwar besessen vom Geiste der Gemeinschalt und bereit eine wirkliche „Abodah", einen heiligen Dienst am Werke, zu verrichten. Einlache Künstlerkollegialität hätte so etwas gar nicht fertiggebracht, die Flamme echter Solidarität schlug durch diese Dilettanten hindurch und begeisterte sie zum besten Künstlertum. Bezeichnend, daß sie ihrer Gemeinschaft die Form der Kwuzah gaben, derselben Kwuzah, die unsere Pioniere in Palästina zusammenbindet, daß sie keinem ein Uebergewicht über den anderen vergönnten, jeder jede Rolle spielte und abgesehen von der einen Ausnahme der schönen unvergleichlichen Rowina, dauernd und täglich in ihren Rollen wechselten. Die Geschichte ihres Entstehens ist erzählenswert. Ursprünglich war es eine Genossenschaft von zehn Mitgliedern, die eines schönen Tages bei Stanislawski erschienen und sich prüfen ließen. Dieser gab ihnen seinen Schüler Wachtangovv mit, der sie zu einem Studio vereinigte und ihnen zunächst einige kleine Stücke einstudierte, dabei aber mit eiserner Energie an ihrer künstlerischen Ausbildung arbeitete, deren Vollendung ohne letzte Askese und priesterliche Flingabe gar nicht möglich gewesen wäre. In Rhythmik, Plastik, Tanz, Rethorik und vielen anderen Fächern wurde nächtelang gearbeitet, bis dann endlich der große Erfolg des „Dybuk" kam, der die kleine Genossenschaft mit einem Schlage berühmt machte. Dem ersten Erfolge folgten die weiteren des ,,Golem", „Jaakobs Traum'4 und der ,,Sintflut" und schließlich kam es dahin, daß die Habimah Moskau und Rußland verließ oder verlassen mußte und ihre bekannten Triumphzüge über alle europäischen und amerikanischen Bühnen antrat. Auch dieser Truppe wurde Amerika beinahe zum Verhängnis. Und es ist noch als ein Glück zu bezeichnen, daß ihre Trümmer sich nach Erez Israel retten konnten. Die Kunst der Habimah ist eine strenge Kunst, nur zu vergleichen etwa einer Erscheinung, wie Stefan George sie unserer Welt