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Menorah · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. 641

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Article
Jüdisches Theater
Date
1928-11-01
Page
641 (sequence 1)
Language
German
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Kmil Bernhard. Cohn / Jüdisches Theater Die westeuropäische Theaterwelt, in der wir Juden eine so hervorragende Rolle spielen, wurde in den letzten beiden Jahren von zwei großen Bühneneinclrücken überrannt und beinahe aus dem Gleichgewicht gebracht. Das Moskauer hebräische Theater „Habimah" und das Moskauer akademische Künstlertheater erschienen nacheinander auf der Bildfläche und erschütterten alles, was künstlerisches Interesse und Verständnis hatte. Freilich war es, als sie kamen, nicht schwer, diese Welt zu erschüttern, die künstlerisch etwas morsch geworden war. Der äußere und innere Niedergang unseres Bühnenwesens, der sich im Starsystem mit all seinen bedenklichen Begleiterscheinungen äußert, hatte es mit sich gebracht, daß Dichter und Dichtung an die Peripherie des Kreises geraten waren, in dessen Zentrum heute als Regisseur und Schauspieler der Star getreten ist, dem alle Dichtung nur ein Anlaß ist, sich selbst zu zeigen, während ein abgearbeitetes Publikum sich gewöhnt hatte, im Theater nichts anderes als die Fortsetzung des täglichen Abendblattes zu sehen. Es ist klar, daß unter diesen Umständen das jüdische Theater entweder fremdartig oder revolutionierend wirken mußte. Kam es doch nicht nur als ausgesprochenes Ensembletheater aus dem Osten, sondern sogar als ein Gemeinschaftstheater höherer Art mit einem ebenso fanatischen Willen zur Gemeinschaft wie zur Arbeit im Dienste der Kunst. Und so gewaltig der Aufstieg des deutschen Schauspielertums auch war, zeigte sich doch sofort auf den ersten Blick, daß a\irklicher Gemeinschaftsgeist, der dem Werke dient, mehr aus der Dichtung herauszuholen vermag, als noch so hohe individuelle Leistung des großen prominenten Künstlers. Schon unmittelbar nach dem Kriege war einmal eine jüdische Truppe hier im Westen erschienen, hatte mehrere Jahre an einem kleinen zentral gelegenen Theater Berlins gespielt, um dann nach Amerika auszuwandern und dort zu verschwinden. Es war das die Wilner Truppe mit ihren großen Spielern und Menschengestaltern Asro, Alomis und Schneior, die zum erstenmal den ,,Dybuk" von Anski nach Westeuropa brachten und diese dunkle tiefe Welt urjüdischen Wesens uns vermittelten. Schon damals war es interessant zu hören,, daß diese Truppe nicht aus Berufsschauspielern entstanden war, sondern aus Dilettanten, die in der Etappe Oberost sich zusammengetan hatten, anfangs zu eigener Freude und um eines kargen Brotes in schlimmer Kriegszeit willen, dann aber mit

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