Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 638 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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638 MENORAH sollten. Kurz, das palästinensische Bataillon erklärte, daß es ihren achtzig Kameraden nicht erlauben werde, abzumarschieren. Die Pflicht des Colonel war, die achtzig Mann zu verhaften und beim Hauptquartier militärische Hilfe gegen den restlichen Teil des Bataillons anzusprechen. Hätte er das getan, so wäre es zu einem unerhörter. Skandal gekommen. Scott handelte wunderbar, trotzdem er dabei zweifellos in Gefahr stand, sich selbst schweren Verfolgungen auszusetzen. Er ließ niemanden verhaften; berichtete an das Hauptquartier, daß der Befehl, in Aegypten Dienst zu leisten, von seinen Soldaten als Unrecht aufgefaßt werde, ja noch viel mehr — als ein Versuch, die Araber gegen die Juden aufzuhetzen, denn für die Araber würde dies bedeuten, daß palästinensische Freiwillige gegen die ägyptischen Nationalisten in den Kampf ziehen. Ferner seien die achtzig Mann unschuldig, da das ganze Bataillon erklärt habe, ihren Abmarsch mit Gewalt verhindern zu wollen. Es bliebe somit kein anderer Ausweg, als das ganze Bataillon zu verhaften, was heißen würde, die beste Jugend des ganzen Jischuw vor das Kriegsgericht zu stellen. Er selbst halte sich nicht für berechtigt, diesen Schritt zu unternehmen und würde auch dem Hauptquartier den Rat geben, sich diese Sache zu überlegen und lieber in London anzufragen. Er fügte noch hinzu: ,,Ihr Dienst ist glänzend, ihre Disziplin tadellos, sie führen alle Arbeiten mit peinlichster Pünktlichkeit aus/1 Und täglich schickte er denselben Bericht an das Hauptquartier: ,,Disziplin tadellos, Dienst erstklassig, aber sie wollen ihren Kameraden nicht gestatten, nach Aegypten zu marschieren/' Das Hauptquartier war gezwungen, seine Berichte nach London zu schicken, und einige Wochen darauf traf vom War-Ol'fiee die Antwort ein, man möge die Legion in Ruhe lassen. Heute lebt Scott in einem kleinen Städtchen in der .Nähe von London. Er nimmt an den seltenen Gelegenheiten, an denen sich die Legionäre versammeln, teil, kommt hin und sagt : ,,Ich bin glücklich, daß mir Gott die Gnade zuteil werden ließ, mit jüdischen Soldaten in Palästina zu dienen/4 Und an jedem Abend spricht er gemeinsam mit seiner Frau und seinen beiden Kindern seine christlichen Gebete, für die Erlösung des Volkes Israel in seinem Lande, die der Beginn der Welterlösung sein wird. Es gibt solche Engländer; und sie sind das wahre England, obwohl dort nicht alle dieselben Gebete mündlich sprechen. Aber Scotts Seele ist clie Seele Englands. Das dürfen wir nicht vergessen, mag auch unsere gerechte Kritik manchmal noch so scharf sein.