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Menorah · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 637

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Article
Vom Nil zum Jordan
Date
1928-11-01
Page
Seite 637 (sequence 5)
Language
German
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VOM NIL ZUM JORDAN (387 es ihm nicht gelingen würde, zwischen sich und seinen Parteimagnaten in Uniform jene Beziehung herzustellen, die Harmonie und Disziplir. garantierten. Es gelang ihm dennoch. Seine kritischen Beurteiler pflegten lachend zu behaupten, er habe in der englischen Armee eine russische Einrichtung eingeführt — einen Bataillons- '„Sowjet". Seine Anhänger hätten darauf erwidern können, daß die „russische" Institution einen englischen Präzedenzfall besitze: in Cromwells Armee gab es ebenfalls Soldatenkomitees, mit denen sieh die Kommandanten zu beraten pflegten, und das Resultat war eine wstraffe Disziplin. Colonel Scott ist einer der merkwürdigsten Menschen, die ich kenne. Ucber die anderen Kommandeure kann man bei den gewesenen Legionären geteilte Meinungen vorfinden. Jedoch nicht über ihn. Er ist ein schon seit lange nicht mehr junger, tief religiöser Herr, glaubt an Gott, das Evangelium and die Bibel; glaubt, Jesus habe bloß das Versprechen der Wcltcrlösimg gebracht, ihre Erfüllung hänge aber von der Erlösung des auserwählten Gottesvolkes ab. Scott ist Christ durch und durch, und ist überzeugt, das Christentum werde letzten Endes die Religion aller Menschen der Welt sein. Aber er ist kein Missionär: die Menschen dürfen sich in die Glaubensfragen des Volkes Israel nicht einmischen, sie müssen ihm bloß helfen, seine Heimat zu gründen. Das ewige Volk würde dann wieder ein Volk der Priester werden und das religiöse Gewissen der Welt vervollkommnen. Es sei die Ehre und das Privilegium Englands, sich daran zu beteiligen und die Erlösung beschleunigen zu helfen. Jeder Engländer, dem die Gnade zuteil wurde, bei dieser heiligen Arbeit mitzutun> müsse an sie mit heiligen Erschauern herantreten. Scott w7ar eine Zeitlang der Kommandeur der Palästina-Freiwilligen. Da er wußte, daß er ein Fremder war, suchte er das innere Leben seiner Legion nicht zu beeinflussen. Er nahm es so, wie es war, und beschränkte sich bloß auf die Rolle des Beschützers, indem er seine Soldaten vor jedem Zusammenstoß mit der ganz verschiedenartigen Atmosphäre, die innerhalb der Armee herrschte, behütete. Und während er so über sie wachte, hatte er keine Angst, zu riskieren. Für eine Episode muß ihm das ganze jüdische Volk Dank wissen. Ende des Sommers 1919 erhielt er plötzlich vom Hauptquartier den Befehl, achtzig Mann nach Aegypten zu schicken. Wer diesen Befehl erdacht hat und zu welchem Zwecke, blieb Geheimnis. Er war ungerecht, denn noch von Anfang an wurde uns so gut wie versprochen, daß die jüdischen Soldaten nur in Palästina Dienst leisten

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