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Menorah · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 636

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Article
Vom Nil zum Jordan
Date
1928-11-01
Page
Seite 636 (sequence 4)
Language
German
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630 MENORAH Wie Salaman und Samuel — beide sind Verwandte — entstammte auch Nina Davis einer Familie, die sich seit vielen Generationen in England angesiedelt hatte. Aber ihr Vater, ein Mann, bei dem es sich auch verlohnen würde, länger zu verweilen, gab ihr eine gründliche jüdische Erziehung und vermittelte ihr unter anderem auch gute Kenntnisse und tiefe Liebe zur hebräischen Sprache and Literatur. Nina Davis hatte eine Reihe jüdischer Jugendschriften — Erzählungen und Gedichte — in englischer Sprache veröffentlicht, wie auch schöne Uebersetzungen von Jehuda Halevis, den beiden Ihn Esras und Gabirols Gedichten. Sie hatte eine ursprüngliche literarische Begabung: ihre größte Begabung war aber das, was der Engländer als „persönlichen Magnetismus" zu bezeichnen pflegt. Wahrscheinlich gehörte ihr Intellekt jener Kategorie an, der in Frankreich im 18. Jahrhundert die Frauen der „großen Salons" auszeichnete; und obwohl sie selbst, da sie fern von London wohnte, keinen „Salon44 geschaffen hatte, war ihre Wirkung von derselben Art. Der „echt englische" Kreis innerhalb des englischen Zionismus ist sehr klein, aber zur größten Hälfte besteht er aus Leuten, die Nina Davis direkt oder indirekt beeinflußt hatte. Zu ihnen gehört auch Colonel Samuel. Er befand sich bei Kriegsbeginn an der französischen Front, war bereits Leutnant-Colonel in einem guten Regiment, und wäre gewiß bald zum General avanciert. Dem Rufe Dr. Salamans folgend, verließ er sein Bataillon — kein geringes und kein gewöhnliches Opfer für einen Kommandeur — und kam, um unser Ausbildung^ - lager zu übernehmen, wohl wissend, daß er damit seine Karriere im Stich ließ; denn der erste Anwärter auf den Generalsrang in einer jüdischen Brigade war natürlich Patterson. Seine Hauptarbeit in Palästina leistete er als Colone! der jüdischen Freiwilligen. Oft hatte ich Gelegenheit, seinen Fakt und seine kluge Geschmeidigkeit anzuerkennen. Das Wesen seiner Soldaten war ihm eine fremde Welt; seine eigene innere Struktur war eine englisch-steife, den Gepflogenheiten der englischen Gesell schalt angepaßt, in der, sowohl im zivilen als auch im Militärleben., sich Klasse streng von Klasse scheidet: Offiziere und einfache Soldaten bleiben bei ihren Rollen, alles ist bereits von vornherein schematisiert. Nun stieß er auf „Soldaten" wie Ben-Zwi, Ben-Gurion und andere, die gewissermaßen in derselben Zeit viel größere Menschenmassen „befehligten" als ein Bataillon. Er fand in der Legion eine „gesellschaftliche Meinung4' vor, auf die er Rücksicht nehmen mußte, um keine Erbitterung zu schaffen. Eine Zeitlang fürchtete man, daß

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