Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 634 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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634 M ENORA Ii eigenes Land ebenso undankbar, wie das jüdische Volk. Es ist in der ganzen britischen Armee, wahrscheinlich, ein einzig dastehendes Beispiel: er zog in den Krieg als Leutnant-Colonei und beendigte ihn als Leutnant-Colonei, ohne irgendein Avancement, sogar ohne jede Auszeichnung, obwohl er den Krieg von Anfang bis zum Ende mitmachte und sowohl sein „Mule-Corps" als auch sein jüdisches Bataillon einige Male in den Kriegsberichten erwähnt wurde. Allenby, der ihm brieflich das Versprechen gab, aus unserem Bataillon eine Brigade zu machen und ihn zum General zu ernennen, hat diese Zusage später zu umgehen gewußt; und dann, als Patterson einige Male sich auf unsere Seite stellte und scharfe Proteste gegen den offiziellen Antisemitismus absandte, der nach dem Siege in der Armee losbrach, wurde Allenby sein erbittertster Gegner und nahm kleinlich Rache an ihm, indem er ihn zu keiner einzigen Auszeichnung vorschlagen wollte, und aus diesem Grunde auch nicht unsere anderen Colonels. Später, als ich bereits Mitglied der Zionistischen Exekutive war, schrieb ich an Sir Herbert Samuel und bat ihn, bei der Aufstellung des höheren Verw altungskörpers sich unserer christlichen Gönner zu erinnern, ich glaube, auch Dr. Weizmann hat diese Bitte befürwortet, aber auch sie wurde nicht erfüllt. Auch das jüdische Volk blieb ihm undankbar. Es ist mir peinlich davon zu sprechen . . . Aber Patterson blieb nach wie vor ein Freund des jüdischen Volkes und des Zionismus. Dem Keren Hajessod hat er in Amerika große Dienste geleistet; und alle lieben ihn, die mit ihm dort zusammen gearbeitet haben. Und in den seltenen Fällen, Avenn ich ihn in London oder Paris treffe und mir vor ihm wie vor einem Bruder — er ist es in der Tat — mein Herz erleichtere, meine Enttäuschungen und Sorgen erzähle, dann finde ich auf seinem Gesicht dasselbe Lächeln, wie dazumal in London nach dem Zusammenstoß mit dem Generaladjutanten, oder wie nicht selten im Jordantale nach einem Tage der bittersten Not: ein Lächeln, das sich über Generale hinwegsetzt, über Malaria und Trommelfeuer, das Lächeln eines Menschen, der nur an die alLesbesiegendc Kraft des hartnäckigen Willens glaubt. Und er erhebt sein Glas und spricht: „Das Ende wird „all right" sein und die Juden sind doch ein großes Volk. Ii e r e i s t o t r o u b 1 e!"*) Das ist sein beliebter Toast, weil er glaubt, daß „trouble" die Essenz des Lebens bildet, den Hauptmotor alles Strebens. *) ..Here is to trouble!" ist ein Triukspruch: „Glückauf mit all den Sorgen".