Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Der Weg des Arnold Zweig
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 629 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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WEG DES ARNOLD ZWEIG 629 tet, wie mir scheinen will, auch dem vollendeten Buche noch an. Nicht zu seinem Schaden. Geht es doch hier um den Inhalt unseres gesamten seelischen Seins: tiefste Erniedrigung dieser letzten Jahrzehnte und schließlich irgendwo in der Zukunft winkende Erhellung. Gewiß, der unglückliche Grischa, der russische Kriegsgefangene, den die Sehnsucht nach Weib und Kind und Heimat zur Flucht aus dem Gefangenenlager trieb, wo ers gut hatte, ist kein Held und soll keiner sein. Er ist ein Opfer jener ungeheuren Kriegsmaschine, wie wir alle ihre Opfer waren, die wir diese Zeiten erleben mußten. Und so fühlen wir nach jenem uralten Worte „Das bist Du!a sein Schicksal tief in unserer Brust. Das ist der eigentliche Sinn und die überzeitliche Bedeutung dieses ersten großen Kriegsromanes, den wir haben. Das Buch ist mit verschwenderischer Fülle ausgebaut: dem wilden Abenteuer Grischas im Walde bei den Räubern, wo sich das russische Mädchen Babka, dem der Schrecken des Krieges die Zöpfe gebleicht hat wie einer Greisin, seiner annimmt, folgt die Schilderung der geistigen Oase im Osten, Merwinsk, mit seiner vorurteilsfreien Exzellenz von Lychow, dem jüdischen Kriegsgerichtsrat, dem Dichter und Gefreiten Bertin, der wohl einige Tropfen von Zweigs eigenem Blut mitbekommen hat und allen anderen scharf gesehenen Profilen dieses kleinen Staates im Staate. Dazu die Gegenspieler Sehieff enzahn und die Seinen, auch sie nicht ohne ein gewisses Verständnis für die Bedingtheiten ihrer Lage gezeichnet. Kein Heiliger hier, kein Schurke dort — Menschen allesamt, kämpfend, leidend, zermalmt von dem gewaltigen Räderwerk der Teufelsmaschine: Krieg. Um dieses Zeitbildes willen wird man vielleicht diesen Roman auch dann noch lesen, wenn manches von seiner künstlerischen Art verblaßt ist. Dies Grundgefühl gibt aber dem Buche auch sein unleugbar jüdisches Gepräge — mehr noch und innerlicher als jene Momentbilder aus dem ostjüdischen Leben, wie wir sie in allen Schilderungen dieser Kriegsprovinzen finden. Als das Mittelstück aus einer „Trilogie des Ueberganges" hat Zweig selbst sein Werk bezeichnet. Zwei andere Romane „Erziehung vor Verdun" und „Einsetzung eines Königs" sollen den Grischa zeitlich einrahmen. — Das aber sind bei weitem nicht die einzigen Pläne, die auf seinem überreichen Arbeitstisch liegen. Da ist ein anderes Romanfragment, schon zur Hälfte vollendet: „Esmonds gute Zeit". Da winken Komödien, die eine aus dem klassischen Altertumc, die andere aus dem Alltagsleben der Gegenwart. Da lockt zur Sammlung ein Essayband, etwa gleich jenen gew ichtigen Studien über Kleist