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Menorah · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 630

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Article
Der Weg des Arnold Zweig
Date
1928-11-01
Page
Seite 630 (sequence 7)
Language
German
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630 MENORAH und Büchner. Vor allem aber warten wir jetzt mit Spannung auf die Belebung eines 1914 geschriebenen Dramas „Die Umkehr des Abtrünnigen", das im Herbst seine Uraufführung erleben soll. Wieder ist's ein Judenstück wie der „Ritualmord", wieder wie dort die Geschichte eines Abtrünnigen. Bischof Johannes von Brixen, früher Jochanan ben Meir aus Wilna, der bis jetzt Juden verfolgte, alljährlich zu Ostern mindestens einen von ihnen töten ließ, erkennt sich vom Baal Schern aufgerufen in seiner wahren Gestalt als den Erben jüdischer Märtyrer. Von seiner „Umkehr" handelt dies Drama, das nur den ersten Teil eines zweiteiligen Trauerspiels bilden sollte; „Das Ziel" wird der Name des noch ungeschriebenen zweiten Teils sein. Der Stoff, der beiden Stücken zugrunde liegt, findet sich als die „Vergessene Geschichte" in Bubers Baal Schein-Legende. Ein nachdenkliches Stück, das freilich den Gedankeninhalt chassidischer Lehren noch nicht ganz dramatisch verdichten konnte — doch sieht man schon jetzt mindestens eine große Bühnenszene: Gegenüberstellung des Bischofs und des Baalschem. — Es berührt eigentümlich, daß Zweig hier einen Stoff erwählt, den schon sein jüdischer und dichterischer Ahnherr Heinrich Heine einmal behandelte. Heines bekannte Romanze „Donna Clara" sollte ja, wie wir aus seinem Briefe an Moses Moser wissen, nur das erste Stück einer Trilogie sein, deren drittes Stück das Kind des Juden zeigen sollte" als erwachsenen Dominikaner, der seine jüdischen Brüder zu Tode foltern läßt". Hundert Jahre etwa sind seitdem verflossen: wenn man damals — wenn Heine damals — den Weg vom Judentum fort als dichterischen Stoff wählte, so ergreift der Dichter von heute die „Umkehr" — den Weg des Baal Teschuwoh . Umkehr des jüdischen Blickpunktes: teuer erkaufter Gewinn der letzten hundert Jahre. Arnold Zweig aber fügt gerade durch dies Drama wie schon durch den Griseha-Roman den letzten Zug in sein Selbstporträt, das wir an den Anfang dieser Zeilen stellten: zu der besonderen Meisterung des Wortes kommt jetzt noch die „innere Vertraulichkeit zur Welt und zur Gutartigkeit des Seins zwischen Mensch und Mensch; „kommt schließlich die endliche unauflösliche Bindung von Wort und von Tat, von wirklicher, folgenvoller Tat durch gehörtes Wort." Nicht am Anfang wie beim Faust: aber am Ende allen Wortes steht bei diesem Künstler und bei diesem Juden die Tat. „Der Streit am den Sergeanten Grischa" sowie „Caliban" sind im Verlage Gustav Kiepenkeuer, Potsdam, erschienen.

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