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Menorah · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 628

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Article
Der Weg des Arnold Zweig
Date
1928-11-01
Page
Seite 628 (sequence 5)
Language
German
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628 MENORAH nene Buch des Holländers F. Bernstein „Der Antisemitismus als Gruppenerscheinung" — den Antisemitismus als Erkenntnisproblem behandeln. In Caliban, dem „niederen Sein, das nicht dulden kann> was gute Art hat", sieht er den Differenzaffekt, der polar und unablöslich gebunden ist an den Zentralitäts-Affekt, den Trieb, der jede Gruppe von Menschen überreden will, um sie kreise die Welt: Trinculo, eng verbunden mit Caliban in Shakespeares letztem, hellseherisch fern hinweisenden Drama. Weit ausgebaut wird die soziologische Grundlage dieser These — fast wie eine Schutz wehr gegen eigene „Ressentiment"-Leidenschaft; und dennoch wird das glänzend geschriebene Buch selbst zum Beweise seiner Grundannahme. Auch in ihm lebt die Reaktion der Gruppe: der Differenzaffekt, eng verbunden mit dem Zentralitäts äff ekt, der in unsicherer Wertung des eigenen nationalen Ichs bald überstolz, bald überkritisch gegen die Volksgenossen erscheint. So beweist das Buch fast mehr als der Verfasser beweisen wollte: es legt Zeugnis ab von der Rückwirkung des Antisemitismus auf den Juden selbst. Neben diese in Leidenschaft geglühte gedankliche Darlegung der verneinenden Geister unserer jüdischen Umwelt traten in der letzten Zeit in reicher Fülle Leistungen der schaffenden Phantasie wie der bejahenden Kritik. Zu den letzten gehört das schöne Buch „Juden auf der Bühne", das im Heine-Bunde (Berlin) erschien, und alle hervorragenden Kenntnisse des dramatischen Theoretikers wie des dramatischen Dichters verwertet. Zu den ersten gehören zwei Novellenbände, die 1925 erschienen, „Frühe Fährten" und „Der Regenbogen", beide bedeutsam als Dokumente der künstlerischen Entwicklung des Erzählers Zweig und als Vorbereitung des großen Romans, der bis jetzt nicht nur Zweigs größtes Werk wurde, sondern in gewissem Sinne symbolhaft wichtig für die Menschen unseres Geschlechts — wie einst Claudia es war. Arnold Zweig hat um dieses Werk fast ebenso lange gedient wie vor Zeiten unser Erzvater Jakob um die Frau seines Herzens. „Der Streit um den Sergeanten Grischa, dessen Fabel nicht erfunden ist, wurde im Jahre 1917 konzipiert, im Jahre 1921 als Drama, im Jahre 1926-27 als Roman niedergeschrieben", sagt er selbst im Nachwort des Buches. Da er in diesen Jahren an einem Augen übel litt, wurde die endliche Form des Romans von ihm nicht geschrieben wie seine früheren Bücher, sondern vom ersten bis zum letzten Wort diktiert; und etwas von der Frische eines unendlichen Gespräches, vielleicht auch von einer damit zusammenhängenden Lockerung der Form haf-

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