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Menorah · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 622

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Article
Der Besiegte
Date
1928-11-01
Page
Seite 622 (sequence 8)
Language
German
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022 MENORAH im tiefsten Herzen wußte er, daß ihm diese Abhaltungen ganz recht waren. Ein leises Untergefühl schweren Leides und vereitelter Hoffnungen, sowie das Bewußtsein der Entfremdung, das seine Sehnsucht überstieg, hielt ihn immer wieder zurück, und er klammerte sich mit allen Fasern seiner Seele an die gesunde, kräftige, wohlvertraute^ ganz und gar unproblematische amerikanische Atmosphäre.---- Dieses Amerika hatte natürlich gleich von Anfang an nicht ausschließlich aus dem Möbeliager von Friedenfeld und Cohn bestanden. Jakob hatte um fünf Dollar wöchentlich ein Zimmerchen mit Verpflegung bei Frau Bartenwerfer in der dritten Avenue gemietet. Frau Bartenwerfer hatte in der „Staatszeitung" kundgetan, daß sie noch einen soliden jungen Mann in ihrem Hause aufnehmen könne, und Jakob, vielleicht schon durch die liberale amerikanische Atmosphäre beeinflußt, ging sogleich hin, trotzdem der Name die Nichtjüdin verriet. Die kraushaarige, ältliche, sehr selbstbewußte Dame, Witwe eines westfälischen Steuereinnehmers, empfing ihn freundlich und war sehr gesprächig. In Minden war sie die Frau Steuerinspektor gewesen — hier war sie Niemand. Aber was tut man nicht für die Kinder! Und da ihr Sohn Hans der Meinung war, in Deutschland habe ein junger Mann keine Zukunft — Jetzt war er in einer Bank angestellt; sein Gehalt war klein, ihre Pension ebenfalls. Warum sollte sie dasitzen, die Hände im Schoß? Sie hatte schon einen Zimmerherren, Herrn Mumme, den Sohn eines steinreichen Schlächters in Minden, der hier amerikanische Geschäftsmethoden studierte. Ach, ja! Würde der Herr wohl die Freundlichkeit haben, den werten Namen zu wiederholen? Sie hatte nicht verstanden. Levy. So. Ein Israelite. Nun, sie kannte prächtige Israeliten, schon von Minden her. Der Bankier, bei dem Hans arbeitete, war auch einer. Sie war eine aufgeklärte Person, sie kannte keine Vorurteile. Nur um eine Nachfrage müßte sie bitten, obzwar er einen so ausgezeichneten Eindruck machte. New-York war eine gar zu große Stadt. Friedenfeld in Firma Friedenfeld und Cohn? Oh, das genügte vollkommen, vollkommen. Sie hatte von Herren Friedenfeld gehört, gewiß, ein ausgezeichneter Mann, ein wohltätiger Mann, wie so viele seiner Glaubensbrüder. Vielleicht weil er von aller Anfang an in ein deutsch-amerikanisches Milieu geriet, schwanden die jüdischen Gewohnheiten gar so schnell aus Jakobs Leben. In einem ihrer ersten Briefe hatte die Mutter gefragt, ob er auch koscher esse. Die Frage beantwortete er nicht, denn er hatte bei Bartenwerfers Schweinsbraten verzehrt. Hie und da spielte er abends mit Hans Bartenwerfer und Wilhelm

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