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Menorah · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 623

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Article
Der Besiegte
Date
1928-11-01
Page
Seite 623 (sequence 9)
Language
German
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DER BESIEGTE 623 Mumme Skat; er erzählte ihnen, daß sein Bruder in Berlin ein berühmter Rechtsanwalt sei; die drei jungen Leute gingen gelegentlich zusammen ins Theater. Jakob lernte langsam Englisch und sprach es bis zu seinem Ende mit einem deutschen Akzent, den man schneiden konnte. Er wurde in Amerika viel deutscher, als er es je in Insterburg gewesen war. Aber auch das war eine Art Amerikanisierung, wiewohl er das nicht wußte. Denn es war der Einfluß amerikanischer Ideale, die von den Immigranten immer wärmer gepflegt werden als von den Eingesessenen, der die altmodischen Deutschen in Amerika dazu brachte, die Rassenvorurteile ihres Vaterlandes über Bord zu werfen und ihre sozialen Gruppen nur auf der Grundlage der Sprache und persönlicher Würdigkeit aufzubauen. In späteren Jahren trat Jakob dem „Liederkranzu bei. In die Synagoge kam er bloß bei festlichen Gelegenheiten. Ein stummer Instinkt sorgte wohl dafür, daß seine engeren Beziehungen jüdische blieben. Er wäre nicht imstande gewesen, eine Christin zu heiraten oder auch nur einen Christen zum Geschäftspartner zu nehmen. Aber der Instinkt, der ihn leitete, war so verdunkelt, daß er ihn in gutem Glauben abgeleugnet und seine jüdischen Verbindungen durch ganz andere Dinge erklärt hätte. Als er selbst Unternehmer wurde, wäre es ihm nie eingefallen, Unterschiede zugunsten eines Juden zu machen. Im Ganzen zog er deutschsprechende Angestellte vor. Er glaubte fest an ihre Ehrlichkeit und ihren Fleiß und sympathisierte ganz besonders mit ihrer Liebe zur Musik. Mit der Zeit wurde er mehr und mehr von jüdischen Wohltätigkeitsanstalten in Anspruch genommen, und er gab reichlich. Aber er hatte einen Widerwillen gegen Leute, die Jüdisch sprachen; er fühlte sich weltenfern von den Immigranten der späteren Epochen. Er wußte wohl, daß sein eigener Vater aus Russisch-Polen gekommen war, aber unbegreiflicherweise blieb diese Tatsache in seinem Unterbewußtsein, ohne daß er irgendwelche Folgerungen daraus zog. (Aus dtm Amerikanischen übertragen von Paula Arnold.)

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