Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Der Besiegte
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 620 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2912821-2912879-2912890-2922815--07186-2922942- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
620 MENORAH mit ein klein wenig Bosheit gewürzt, denn sie beneideten die Freefield-Mädel. Nicht wegen ihrer Millionen — bewahre. Das wäre ja unfein, und außerdem waren die Levys nichts weniger als arm. Aber der Name — der Name — Freefield! Was hätte nicht Hazel für solch einen Namen gegeben! Wofür konnte man nicht gelten, wenn man Freefield hieß! Und dann war der Vater der Mädchen, J. Mortimer Freefield, schon auf amerikanischem Boden geboren und hatte in Princeton studiert, und war im Sprechen durchaus nicht von irgendeinem hundertprozentigen Amerikaner zu unterscheiden, während man Hazels eigenem Vater, so gut und lieb er war, eben doch auf hundert Schritte den deutschen Juden anmerkte. In jenem Sommer 79 war der alte Friedenfeld hoch in die Sechzig gewesen. Er war ein reicher Mann. Freilich, wenn er erlebt hätte, was sein Sohn aus den dreihunderttausend Dollair zu machen verstand, die er, Sol, in vierzig Jahren schwerer Arbeit verdient hatte, er hätte sich nicht wenig gewundert. Sol war eine einfache Natur von außerordentlicher Herzensgüte und Nächstenliebe, und im Alter war es seine größte Freude, junge Neuankömmlinge auf die Beine zu stellen, besonders wenn sie aus gutem Hause waren und aus seiner engeren Heimat stammten. Er selbst war ursprünglich aus Bromberg gekommen, und Ost- und Westpreußen waren schließlich nicht so weit voneinander entfernt. Der junge Mensch, der ordentlich gekleidet war, gutes Deutsch sprach und ihm bald anvertraute, daß er ein kleines Kapital besaß, gefiel ihm ausgezeichnet. „Sie müssen Englisch lernen", hatte er ihm gesagt. ,,Sie müssen schauen, daß Sie einen Posten finden, wo Sie gutes Englisch hören. Kommen Sie morgen zu mir in's Büro. Vielleicht kann ich was für Sie tun. Vielleicht." Er wackelte freundlich mit dem Bart und Jakob verließ ihn mit dem Eindruck, daß Amerika die Menschen gutherzig und offen mache. Das kleine Manufaktur- und Möbelgeschäft von Friedenfeld & Cohn im unteren Teile der 6. Avenue verschwand für den oberflächlichen Beobachter fast vor den großartigen Unternehmungen der gleichen Art, die sich rundumher breit machten. Es nahm bloß zwei Stockwerke eines schmalen Gebäudes auf der Westseite ein, das zwischen zwei prächtigen Warenhäusern eingezwängt war. Aber es hatte einen riesigen Kundenkreis an den ärmeren Irländern des