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Menorah · 1928-10-01 · Heft 10 (Oktober 1928) · p. Seite 598

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 10 (Oktober 1928)
Article
Vom Nil zum Jordan
Date
1928-10-01
Page
Seite 598 (sequence 6)
Language
German
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598 MENORAH det, wie die jüdische Legion in Palästina, benötigt vor allem zwei Dinge: sie muß stark und sie muß taktvoll sein. Ihr Auftreten erschöpft sich nicht nur in rein militärischen Dingen: es gehört auch ein gut Teil Diplomatie dazu. Und das ist das Schwierigste an der ganzen Sache. Die starke Hand — wenn eine solche unglückliche Notwendigkeit sich ergeben sollte — wird kollektiv unter dem Kommando von erprobten und geschulten Offizieren stehen. Aber Diplomatie und Takt muß jeder Soldat persönlich besitzen und beweisen, in seinen Beziehungen sowohl zu den einzelnen Personen, als auch im Cafe oder am Markt, wenn er Apfelsinen kauft. Und das können nur drei Arten von Menschen erreichen: diejenigen, die von Natur aus Takt besitzen; solche, die im allgemeinen nicht gerne mit Fremden verkehren, deren ,,Diplomatie" darin besteht, sich von allen Dingen fernzuhalten, oder endlich Menschen, die eine gewisse Erziehung in der Richtung genossen haben, wie sie in einem fremden Lande die eingeborene Bevölkerung taktvoll zu behandeln haben: etwa wie die englischen Soldaten in Indien gewissermaßen einen „Kurs" absolvieren, über die Art mit den Hindus umzugehen. Schon aus dieser Einleitung wird man ersehen, daß nicht alle unsere Legionäre dieses Examen glänzend bestehen konnten. Die überwiegende Majorität benahm sich wohl ganz korrekt. Es liegt ein offizieller Beweis dafür vor: Im Sommer des Jahres 1919 erließ die arabische „Exekutive" einen Befehl, überall über die schlechte Haltung jüdischer Soldaten Klage zu führen, und nun begann es Beschuldigungen zu „regnen". Unsere drei Colonels verlangten sofort, daß jede Beschuldigung nicht nur vom Bataillon, sondern auch von der Militärpolizei untersucht werde. Die Untersuchung ergab, daß 99 Prozent der Beschuldigungen unbegründet waren, weshalb auch fast alle disziplinaren Maßnahmen unterblieben. Einen Monat später war die Anzeigeepidemie erloschen. Aber es gab auch Ausnahmen. Ich muß mich mit der Erklärung beeilen, daß man ihnen keine Wichtigkeit beimessen könnte. Ich entsinne mich keines einzigen Falles, wo ein Araber von einem jüdischen Soldaten getötet oder verwundet worden wäre. Die australischen Soldaten hatten das Dorf Sarafend, das unweit von Ludd, eine kurze Strecke Weges vom Hauptquartier Allenbys entfernt lag, in Brand gesteckt und eine Anzahl erwachsener Araber (den Frauen und Kindern gewährten sie in ritterlicher Weise Abzug) erschossen, weil einer ihrer Kameraden dort ermordet worden war. Bei uns hatte sich derartiger Vorfall nicht nur nicht ereignet, es waren nicht

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