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Menorah · 1928-10-01 · Heft 10 (Oktober 1928) · p. Seite 597

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 10 (Oktober 1928)
Article
Vom Nil zum Jordan
Date
1928-10-01
Page
Seite 597 (sequence 5)
Language
German
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VOM NIL ZUM JORDAN 597 Eine derartige Frage muß ehrlich behandelt werden. Wenn es in einem Lande eine Bevölkerung gibt, die von einem jüdischen „Nationalheim" nichts wissen will, so ist es ganz natürlich, daß jede Manifestation jüdischer Tätigkeit und Anwesenheit sie ärgert. Mehr als alles ärgert sie die jüdische Einwanderung; vielleicht noch mehr das Anwachsen des jüdischen Landbesitzes, aber auch alle anderen Erscheinungen, in denen der jüdische V orstoß und der Anspruch auf eine führende Rolle im Lande Ausdruck findet, wie zum Beispiel ein jüdischer High-Commissioner oder die feierliche Gründung einer Universität. In diese Kategorie fällt auch eine jüdische Legion. Es kann niemand leugnen, daß unsere Gegner im Jahre 1919 unzufrieden waren, daß jüdische Bataillone sich im Lande befanden; und wenn morgen neue geschaffen werden, so wird das nicht minder ihre Unzufriedenheit hervorrufen. Aber es ist unehrlich zu behaupten, man müsse jede Tat unterlassen, einzig und allein, weil sie eine solche Stimmung hervorruft. Denn wäre diese „Stimmung" ein genügender Anlaß dafür, daß etwas nicht geschähe, so müßte man überhaupt auf den Zionismus verzichten. Eine Frage ehrlich stellen, heißt beide Eventualitäten in Erwägung ziehen: den Schaden sowohl als den Nutzen. Jede Sache hat ihre Schattenseite, jede Medizin ein Element in sich, das unter anderen Bedingungen Gift ist. Und bei solchen Erwägungen fruchten keine Theorien. Wohl glaube ich fest daran, daß das Leben logisch ist, aber die Juden, zumindest jene Generation von gestern, die noch immer unsere Angelegenheiten von heute besorgt, sind keine Freunde der Logik und glauben nicht an Theorie. Sie wollen nur mit Tatsachen rechenen. Gut denn! Hört Tatsachen: die Legion bestand im Jahre 1919 aus fünftausend jüdischen Soldaten, denen der Gegner auf Schritt und Tritt begegnete, — und es herrschte dennoch Ruhe im Lande. Und die andere Tatsache, das Jahr 1920: von der Legion ist fast nichts mehr übriggeblieben, — und wir erleben die schweren Tage von Tel-Chaj und ein neues Kischinew in Jerusalem. Ich weiß, man könnte hier dieses oder jenes einwenden. Es erfordert eine lange Diskussion; ich werde mich an ihr beteiligen, aber nicht an dieser Stelle. _[\| och eine Bemerkung. Nicht über das Verhältnis der nichtjüdischen Bevölkerung zu unseren Legionären, sondern im Gegenteil — über das der Legionäre zur nichtjüdischen Bevölkerung. Eine Besatzungstruppe, die sich in einer ähnlichen Lage befin-

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