Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1928)
- Article
- Dschungeljuden
- Date
- 1928-10-01
- Page
- Seite 583 (sequence 7)
- Language
- German
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DSCHUNGELJUDEN 583 Genug an dem, die Juden verließen Paramaribo! Zwei Tage entfernt, in Bootfahrten gerechnet, befand sich eine kleine Insel, die Samuel Nassi gehörte, Savannah geheißen, ein steiles Stück Land mit freier Aussicht nach Süd und Südwest, wo der Strom einen großen Bogen beschrieb. Die Insel war eine prächtige natürliche Festung inmitten ungeheurer fruchtbarer Landstrecken, die man nur in Besitz zu nehmen brauchte. Samuel Nassi schenkte seinen Leuten die Insel und führte sie im Jahre 1680 dahin. Von nun ab hieß die Gegend die Judensavannah. Menschen anderen Kalibers wären wohl vor Einsamkeit und vor Erschöpfung im Kampfe mit dem feindlichen Dschungel umgekommen. In einem Umkreis von fünfzig Meilen gab es keine lebende Seele, einige scheue karibische Indianer vielleicht ausgenommen, die in geschützten, versteckten Rodungen ihre Dörfer hatten. Aber die Juden von Paramaribo waren ihrem Moses in die Wüste gefolgt, ohne fremde Gesellschaft zu suchen. Sie ließen sich nieder und begannen den Kampf gegen den Dschungel. Bald dehnte sich die Kolonie über die kleine Insel hinaus, an das östliche Ufer des Flusses, wo die ersten großen Rodungen zu Pflanzungszwecken entstanden. So tüchtig und widerstandsfähig sie waren, konnten die Juden der Savannah doch nicht mit eigenen Händen extensive Wirtschaft treiben. Sie brauchten Arbeitskräfte, und wie alle tropischen und subtropischen Kolonisten der Zeit, halfen sie sich mit Sklavenarbeit. Der Sklavenhandel blühte damals an der Küste von Guyana, und „schwarzes Elfenbein" war die einfachste Lösung aller Arbeitsfragen. Die reicheren Juden der Savannah wurden die größten Sklavenhalter ihrer Gegend. Wie andere Herren auch, waren sie streng, ja manchmal wahnsinnig grausam gegen die unglücklichen Schwarzen, die sie gekauft hatten. Vielleicht konnten angesichts der Dschurigelprobleme nur gestrenge Herren vorwärts kommen. Vermutlich hieß es hier wie anderwärts: ,,Du mußt schwitzen oder ich muß sterben". Die Juden der Savannah kamen auf alle Fälle vorwärts. Im ersten Jahre hatten sie in den allerprimitivsten Behausungen gewohnt, ihre Sklaven in Erdhütten. Die Arbeit war ungeheuerlich. Riesige Strecken Hartholzwaldes mußten gefällt werden, bei einer Durchschnittshöhe von 50 Metern. Dabei ist das Unterholz so dicht und knorrig, daß das Anlegen eines Fußpfades genau so viel heißt wie einen Tunnel aushauen. Diese Bäume mußten getrocknet und verbrannt werden. Meilen über Meilen von Kanälen zur Aufnahme