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Menorah · 1928-10-01 · Heft 10 (Oktober 1928) · p. Seite 582

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 10 (Oktober 1928)
Article
Dschungeljuden
Date
1928-10-01
Page
Seite 582 (sequence 6)
Language
German
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582 MENORAH gend, an der Mündung des Cayenne, angesiedelt und dort Unglück gehabt hatten. Mit der Ankunft dieser neuen Gruppe hörte das Unternehmen auf, ein Abenteuer zu sein. Die Kolonie schien nach menschlichem Ermessen gesichert. Die Kolonisten rodeten Land, bebauten es und errichteten neue Gebäude. Sie begannen auch, ausländische Waren zu beziehen und waren bald recht behaglich eingerichtet. Kinder wurden geboren, vermutlich kamen auch ständig neue Siedler, das Leben der Gemeinde wurde voller, größer, sicherer. Selbst die politischen Wechselfälle in der Verwaltung Surinams konnten der jüdischen Siedlung nichts anhaben. Es gab allerlei lokale Seegefechte, die letzten Ausläufer der holländisch-englischen Kriege, die Karl IL führte, und schließlich kam Surinam in holländische Hände. Durch den Vertrag von Breda tauschte England Surinam für eine winzige Kolonie in Nordamerika ein — Neu-Amsterdam. Vermutlich war Holland jene Kolonie lieber, die unternehmende, wohlhabende, intelligente jüdische Siedler angezogen hatte. Wer konnte damals wissen, ob Neu-Amsterdam je Juden beherbergen würde? Zehn Jahre lang bemühte sich Holland hartnäckig, die englischen Siedler loszuwerden. Den Juden aber bestätigte es die englischen Privilegien und lud sie ein, zu bleiben. Den Juden war es ziemlich gleichgültig, ob sie unter holländischer oder unter englischer Herrschaft standen. Das Land aber war ihnen teuer geworden, und sie blieben. Nun kommt ein Rätsel. Was zwischen 1664 und 1680 vorfiel, weiß ich nicht. Vielleicht werden einst Dokumente gefunden, die es uns erzählen. Uns ist es unerklärlich, warum die Juden den Gedanken faßten, Paramaribo zu verlassen. Die Nassi, Pardo, Pereira wurden wohlhabend, Samuel Nassi wurde steinreich. Er besaß ungeheure Kaffee- und Zuckerplantagen, seine Rumfabriken brachten reichen Gewinn, er war Herr über ungezählte Scharen von Sklaven und galt für den mächtigsten Mann in Guyana unter Juden und Christen. Andere Siedler waren fast ebenso wohlhabend. Keiner war arm. Warum blieben sie nicht in Paramaribo? War es die Angst, Holland könne ihnen ihre Schätze entreißen? War es ein Gerücht, daß die traditionelle holländische Politik der Toleranz ein Ende haben solle? War es ein Traum in der Seele eines Herzl jener Tage, einen jüdischen Staat zu gründen, wenn auch nur in den Dschungeln Südamerikas?

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