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Menorah · 1928-10-01 · Heft 10 (Oktober 1928) · p. Seite 581

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 10 (Oktober 1928)
Article
Dschungeljuden
Date
1928-10-01
Page
Seite 581 (sequence 5)
Language
German
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DSCHUNGELJUDEN 581 einer Million Quadratkilometer brütenden, leeren Urwalds. Für sie war das jüdische Problem vereinfacht — wenn sie Hungersnot, Fieber, Indianer und Hitze überwanden, war alles gut — Antisemitismus hatten sie nicht mehr zu fürchten. Man kann sich kaum ein ungeeigneteres Menschenmaterial denken als diese Ansiedler, und selten wohl wird eine Kolonie unter solchen Umständen gegründet worden sein. Die ersten Juden an der Küste von Guyana waren Patrizier. Sie waren das städtische Leben gewöhnt, die Synagoge, lange Gespräche im Singsang, die sich bis tief in die Nacht hinein erstreckten, Pergamentrollen und Bücher, das Klirren der Münzen im Kontor. Die kurze Liste der Kolonisten führt eine Reihe von Namen an, die jahrhundertelang in der jüdischen Geschichte eine bedeutende Rolle spielten, Namen, die noch heute einen guten Klang haben: Nassi (oder Nasci), nach dem die Insel genannt wurde, da Costa, de Silva, Pereira, Arias, Mera, Cid, Naar, Pardo. Wie solche Männer das komplizierte und schwierige Geschäft lernten, tropische Landwirtschaft zu treiben, bleibt ein Rätsel. Aber sie müssen es wohl erlernt haben, denn sie gerieten nicht in Verzweiflung und sie verhungerten nicht. Sie rodeten den Wald, pflanzten, ernteten, bauten ihre Heimstätten und fanden noch reichlich Zeit, ihrem Gotte zu dienen. Nach fünf Jahren vollkommenster Einsamkeit kamen wieder Menschen. Ermuntert durch diese portugiesischen Juden, oder besser gesagt durch ihr Ausharren, kam Lord Willoughby mit Leuten und allerlei Material aus England und ließ sich in der Nähe der jüdischen Kolonie nieder. Das war im Jahre 1650. Dreizehn Jahre später erlangte er mit seinem Partner Lawrence Hyde, dem Sohne Lord Ciarendens, einen richtigen Charter von Karl IL, der die Kolonie als englische Besitzung bestätigte. Der Charter stellt fest, daß die schon in Surinam angesiedelten Juden sowie alle etwa später hinzukommenden dieselben Rechte und Freiheiten genießen sollten, wie die Engländer. Außerdem sollten sie das Recht haben, ihren eigenen Gerichtshof oder Senat zu bilden, der Zivilsachen bis zu zehntausend Pfund Sterling erledigen konnte. Ferner durften sie Erbschaftssachen, Heiraten, ihren Gottesdienst und ihre häuslichen Angelegenheiten ganz nach ihren eigenen Gesetzen führen. In solch großzügiger Art erkannten die Engländer den Wert der jüdischen Siedlung für die Entwicklung Surinams an. Und da die kleine Kolonie weiter gedieh, kam im Jahre 1664 Zuzug von weiteren portugiesischen Juden, die sich früher in einer anderen Ge-

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