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Menorah · 1928-10-01 · Heft 10 (Oktober 1928) · p. Seite 580

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 10 (Oktober 1928)
Article
Dschungeljuden
Date
1928-10-01
Page
Seite 580 (sequence 4)
Language
German
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580 MENORAH nicht alle Sephardim waren in Holland zufrieden. Das Leben in den feuchten, nebligen Küstenstrichen war so ganz anders als das des warmen, luxuriösen, farbenprächtigen Portugal. Der dicke, gemütliche Holländer war dem feurigen Südländer nicht sympathisch. Wohl wurden die Neuankömmlinge bald reich; aber der Wohlstand allein genügte ihnen nicht. In diese unruhige, unzufriedene Stimmung hinein kamen die ersten Nachrichten von dem Reichtum der Neuen Welt. Als man schließlich hörte, daß Portugal Brasilien zu besiedeln gedachte, ja daß schon der erste Transport christlicher Emigranten von Lissabon ausgefahren sei, segelten einige wenige Juden von Amsterdam nach Amerika. Von diesen ersten Pionieren weiß man wenig. Sie ließen sich zwischen dem Amazonenstrom und den Tumak Humak-Bergen in der Provinz Para nieder. Durch ihre verwachsenen Vorgärten hindurch lief der Aequator, und an ihm entlang krochen Hungersnot, Seuchen und Tod. Noch schlimmer, der Antisemitismus blieb der Fahne treu, und in einer Reihe von Streitigkeiten zwischen Holland und Portugal wegen der Hoheitsrechte über den Para-Distrikt waren die Juden, wie gewöhnlich, die Sündenböcke. Ein Teil der Kolonisten zerstreute sich, manche kehrten nach Europa zurück. Die brasilianische Niederlassung war ein Mißerfolg. Eine Gruppe dieser Kolonisten aber kämpfte sich durch dichten Dschungel, über Berge und Meeresbuchten durch und erreichte im Jahre 1644 die kleine Stadt Paramaribo, eine englische Niederlassung wenige Meilen landeinwärts an der Mündung des Surinam-Flusses, an der Nordküste von Südamerika. Dort machten sie halt, und dort sind sie bis auf den heutigen Tag geblieben, trotz seltsamer und furchtbarer Abenteuer. Das erste Unglück kam ein Jahr nach ihrer Landung. Damals war Paramaribo erst fünfzehn Jahre alt. Die englischen Kolonisten, die die Stadt gegründet hatten — nämlich soweit sie das Fieber nicht dahingerafft hatte — verließen das Land, teils weil der Kampf gegen Klima und Dschungel zu aufreibend war, teils weil sie im Bürgerkriege daheim gebraucht wurden. Die wenigen Felder, die sie bebaut hatten, überließen sie dem Dschungel und den Juden. Sie luden ihr Hab und Gut auf ein hochgebautes Schiff, das im Flusse verankert war, dann knarrten die Ziehtaue und die einsamen Neuankömmlinge mußten zusehen, wie ihre Nachbarn mit der Strömung dahinsegelten, nach England, nach Europa zurück. Allein standen sie nun der Stille einer jungfräulichen Welt gegenüber, allein in

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