Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1928)
- Article
- Dschungeljuden
- Date
- 1928-10-01
- Page
- Seite 579 (sequence 3)
- Language
- German
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DSCHUNGELJUDEN 579 Das ist alles — das, und die leere, sandige Rebellenstraße. Darüber hinaus herrscht der Dschungel, ungestört, unbezwungen. Die Geschichte erzählt nur wenig von der Judensavannah, der toten Dschungelstadt. Verborgen im tiefen Schatten des Dschungels ruht eine farbige Sage, die fesselnde Geschichte wandernder Pioniere, die Neues schufen und über die feindliche Natur triumphierten — aber das Ende ist die leere sandige Rebellenstraße. Die Geschichte der Siedlung geht in gewissem Sinne bis ins fünfzehnte Jahrhundert zurück, da Emanuel I. -von Portugal die Tochter des Spaniers liebte, jenes Ferdinand, der zusammen mit seiner Gemahlin Isabella die iberische Halbinsel von Ketzern zu reinigen unternahm. Die Mauren waren aufs Meer hinausgetrieben worden, die Juden im Jahre 1492 verbannt, nun wandten sich ihre katholischen Majestäten nach Portugal. Wenn Emanuel ihre Tochter haben wollte, mußte er zuerst seine Untertanen christianisieren. Die portugiesischen Juden, die von all ihren Volksgenossen in Europa den größten Wohlstand und die höchste Kultur erreicht hatten, waren seit langem in intellektueller wie finanzieller Hinsicht das Rückgrat des Landes. Emanuel wußte, wie seine Vorfahren, ihren Wert sehr wohl zu schätzen, und er war nicht gewillt, ihre treue Unterstützung zu entbehren. Die Spanier aber gaben nicht nach, und schließlich ließ er sich bestimmen, mehr als 20 000 seiner jüdischen Untertanen gewaltsam der Taufe zuzuführen. Seine eigenen Interessen glaubte er am besten zu vertreten, indem er den neuen Christen verbot, im Laufe der nächsten zehn Jahre sein Land zu verlassen. Die Neuerung bewährte sich nicht. Die fortgesetzten Versuche, die Juden zur Taufe zu zwingen, führten zu beständigen Reibungen. Die eifersüchtige Bevölkerung steigerte die antisemitische Politik bis zum Aeußersten, und im Jahre 1506 waren die Gemüter derartig erhitzt, daß in einem Pogrom mehr als 2000 Juden getötet wurden. Emanuel wurde des vergeblichen Kampfes müde — es war ihm nicht gelungen, die spanischen Majestäten zufrieden zu stellen und gleichzeitig eine wohlhabende, treue jüdische Bevölkerung zu erhalten. Er ließ die Juden ziehen. So begann die Entdeckung der Umwelt durch die portugiesischen Juden. Viele von ihnen zerstreuten sich in Nordafrika und in den östlichen Küstenländern des Mittelmeeres. Eine zahlreiche Gruppe ging nach Holland. Die Niederlassung in Amsterdam (Kehillat Beth Jaakow) war der Same, aus dem die großen sephärdischen Gemeinden des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts entstanden. Aber