Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1928)
- Article
- Der Tempel zu Jerusalem
- Date
- 1928-10-01
- Page
- Seite 564 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2912821-2912879-2912889-2922666--07081-2922740- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
564 MENORAH ten auf uns gekommen. Vom salomonischen Tempel selbst ist wohl kein Stein mehr erhalten, nur der Platz auf dem Berge Moriah ist nachweisbar die Stelle, wo sich dieses Haus Gottes erhob. Im übrigen liegt auch hier wie bei Bundeslade und Stiftshütte nur literarische Ueberlieferung vor, diesmal im ersten Buche der Könige (5.—8. Kap.) einem schlecht überlieferten und wohl auch überarbeiteten Text, der die Anlage kaum in den Grundzügen erkennen läßt. Nur soviel geht mit einiger Sicherheit daraus hervor, daß der Tempel ein Teil des salomonischen Palastes selbst war und den höchsten Gipfel des Berges Moriah einnahm. Schon die Tatsache, daß der Tempel Bestandteil der Palastanlage war, gibt einen interessanten Hinweis auf assyrische Bausitten, wo das Heiligtum gleichfalls der Residenz selbst einverleibt war. Als Beispiel diene hier eine rekonstruierte Vogelschau vom Palaste Sargons in Khorsabad. Dieser Umstand allein wird vorsichtiger Forschung kaum weitgehende Schlüsse gestatten — aber die weitere Anlage des Tempels weist in die gleiche Richtung. Der Tempelbezirk umschloß drei Höfe (von denen der äußere jedermann, der zweite nur den Glaubensgenossen, der dritte den Priestern allein zugänglich war) und an der westlichen Rückseite dieses innersten Hofes stand das eigentliche Tempelgebäude, das wieder genau im Sinne babylonischer und assyrischer Gepflogenheiten aus Vorhalle, Haupthalle und Allerheiligstem bestand. Werden so Einflüsse vom Nordosten, vom uralten Kulturgebiet Mesopotamiens her erkennbar, so führen nicht minder gewichtige Gründe zu der Annahme einer Beeinflussung von Aegypten, dem südwestlichen Kulturzentrum der alten Welt, her. Dieselbe Gliederung von Vorhalle, Säulensaal und Allerheiligstem bildet die Norm ägyptischer Tempelanlagen, die durch den Tempel des Chunsu zu Karnak veranschaulicht werden. Eines noch kommt dazu, um diesen ägyptischen Einfluß wahrscheinlich zu machen: die durch das Passahfest stets wachgehaltene Erinnerung an die ägyptische Knechtschaft. Und ein dritter Strom von Einflüssen war schon vor der Besitzergreifung Palästinas durch Israels Kinder ins Land gedrungen. Ausgrabungen neuerer Zeit in Megiddo, Tel-el-Hesy u. a. haben höchst lehrreiche Baureste aufgedeckt, die in zunächst ganz überraschende Richtung weisen: nach Troja. Hier wie dort findet sich Lehmziegelmauerwerk auf Steinsockeln und an der fälschlicherweise