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Menorah · 1928-10-01 · Heft 10 (Oktober 1928) · p. Seite 557

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 10 (Oktober 1928)
Article
Der neue Judenfriedhof in Wien
Date
1928-10-01
Page
Seite 557 (sequence 7)
Language
German
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DER NEUE JUDENFRIEDHOF IN WIEN 557 neuer Geist das verschiedene durchdringt und schöpferisch erfaßt, bleibt nur der Eindruck des Modernisierten. Durch redliche Arbeit, im ernsten Gefühl der Verantwortung, ist hier ein Werk geworden, das Achtung verdient. Den Adel der Kunst hat es nicht. Seltsam befangen in der Schulweise von Clemens Holzmeister, fehlt ihm — in der Idee und in der Form — die eigentümliche Kraft und Größe. Der freundliche Ernst des Hofes beruht auf seiner luftigen Weite, auf dem schönen Rasen und den Blumen, auf der Enthaltsamkeit im schmückenden Beiwerk, auf der ruhigen Wiederkehr der breit ansetzenden Spitzbogen, der eckigen Pfeiler und der umblätterten Zinnen, endlich auf der sparsamen Gliederung durch einen Nebenhof und die Durchblicke ins Freie. Aber nach einigem Verweilen erstarrt er vor unseren Augen. Denn er ist nicht mit plastischer Empfindung gestaltet, sondern nur regelrecht, fast schreinerhaft, gezeichnet. Vollends aber zerstört der Blick auf das Kuppelhaus m seinem Winkel das Gleichgewicht und zeigt, woran es überall fehlt: am rhythmischen Verhältnis. Denn dieses Haus ist schwerfällig; je näher man kommt, desto härter werden die Ueberschneidungen des gestuften Daches, die Kuppel — ein zerschründeter; gebeulter Kupferhelm — sackt ein, man tritt bedrückt ins Tor. Die Haupthalle für die Aufbahrung der Toten erscheint in edlen, trefflich bearbeiteten Baustoffen: schwarzer Marmor, versetzt mit brauner Keramik und Bronze, reicht bis zum Ansatz des hellen, leicht getönten Gewölbes, das oben — leider — von einem bunten Glas geschlossen wird. Vorn eine Estrade, darüber die geheimnisvollen Ornamente der hebräischen Schrift. Trotzdem wirkt der Raum nur prunkhaft und frostig. Und keineswegs jüdisch. Man denkt daran, daß in diesem Raum Verstorbene aufgebahrt werden in Särgen aus rohen, ungehobelten Brettern, bedeckt mit einem einfachen schwarzen Tuch. Was soll bei solchem Brauch die Marmorpracht! Und dann denkt man daran, daß es meist arme Leute sind, die da hereingetragen werden, arme Leute oder doch solche von bescheidener Lebenshaltung, die nun ihrem Toten das letzte Geleite geben. Wäre da ein schlichter Raum — ein Raum ohne Kleid, eine leichte, lichtvolle Halle — nicht angemessener? Angemessen für alle Gäste, die hier ja gleich sind, und angemessen der tieferen Bedeutung des jüdischen Todes. Wenn irgendwo — hier liegt die Grenze dieses Bauwerkes, hier: im Seelischen versagt es völlig. Man geht noch durch technisch und

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