Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1928)
- Article
- Der neue Judenfriedhof in Wien
- Date
- 1928-10-01
- Page
- Seite 558 (sequence 8)
- Language
- German
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558 MENORAH hygienisch vorzügliche Nebenräume und erkennt ihre saubere Sachlichkeit, die bei ähnlichen Anlagen Schule machen dürfte, willig an. Aber man verläßt innerlich unbefriedigt, verzagt und ohne Trost das Haus. Denn die Kunst, die es errichtet hat, hat keine eigene, keine religiöse, keine jüdische Anschauung vom Tode. Und vor allem das hätte sie haben müssen, ehe sie ans Werk ging. Ihr ist der Tod kein Mysterium, weder Gericht noch unendliche Gnade und am wenigsten himmlisch - heitere Seligkeit — sondern nur ein Begräbnis erster Klasse. Wiederum die Sprüche.... Rabbi Jaakob sagte: Diese Welt gleicht einem Vorraum zu jener Welt; rüste dich im Vorraum, damit du eingehen kannst in das innere Gemach. Im Durchgang von dieser zu jener Welt liegt die Halle des Todes. Hier wird das Tor geöffnet für den Flug der Seele, von dem Rabbi Levi gesagt hat: der Schall dieses Fluges reicht — lautlos und unhörbar wie das Gleiten des Tages — von einem Ende der Welt zum andern. Im Bereich des neuen Wiener Friedhofes erwacht kein Gefühl und kein Gedanke aus den Bezirken unserer Weisen. Fremd bleibt er unseren Vergangenheiten, fremd unserer inneren Gegenwart. Denn nicht aus versenkter Andacht und nicht aus entrückter Erregung ist er entstanden, sondern aus kleinmütiger Rücksicht auf den Geschmack der Besteller. Sie sollten von ihm „entzückt" sein, sie sollten ihn „imposant" finden. Das Ziel ist — die Aussprüche der kompakten Majorität beweisen es — vollkommen erreicht. Und nun? Das ist die Hauptfrage. Denn das Vollbrachte ist nicht so wichtig, es ist ja nur ein Einzelfall und der läßt sich nicht mehr ändern. Oder wie jene Autorität das stolzer ausgedrückt hat: Der Bau wird stehen bleiben. Wir sind die letzten, die ihn zerstören wollten. Aber wir wollen alles daran setzen, daß seinesgleichen künftig nicht mehr möglich werde. Der Künstler ist nicht schuld. Er hat sein Bestes gegeben. Schuldig sind diejenigen, die das Bessere verhindert haben. Sie mit Namen zu bezeichnen, fiele nicht schwer. Die Denkschrift nennt sie ohnedies, freilich dort, wo sie das höchste Lob ver-