Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1928)
- Article
- Der neue Judenfriedhof in Wien
- Date
- 1928-10-01
- Page
- Seite 553 (sequence 3)
- Language
- German
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DER NEUE JUDENFRIEDHOF IN WIEN 553 Einige Aussprüche älteren Datums. Rabbi Jaakob sagte: Diese Welt gleicht einem Vorraum zur künftigen Welt; rüste dich im Vorraum, damit du eingehen kannst ins innere Gemach. Im Buche Koheleth ist zu lesen: Auch die Welt gab Er in (der Menschen) Herz. Rabbi Binjamin hat das gedeutet: die Liebe zur Welt gab Er in ihr Herz. Aber Rabbi Jonathan meinte: die Furcht vor dem Tode. Im selben Buche steht geschrieben: Es gibt kein Herrentum am Tage des Todes. Das erläutert der Midrasch Rabba: Es steht nicht geschrieben: Es nahten die Tage des Königs David dem Tode, sondern nur: es nahten die Tage Davids dem Tode. In jenem Buche Kohelet heißt es: Ich habe mich umgetan in der Welt und ich sah Nichtiges. Auf dieses Nichtige zielt der Midrasch3 indem er sagt: Das ist der Mantel des Todesengels. Der Talmud berichtet: In früherer Zeit war die Bestattung der Toten wegen der prunkvollen Gebräuche oft schwierig zu bestreiten, so daß man sie zuweilen unbestattet verließ, weil man ihnen nicht genug Ehre antun konnte; bis Rabbon Gamliel kam und die Anordnung traf, ihn in einfachem Linnen zu bestatten. Denn er war der Meinung: wer den Prunk häuft, der häuft nur die Verwesung. Rabbi Jannai sagte zu seinen Söhnen: Meine Kinder, bestattet mich weder in schwarzen noch in weißen Kleidern. Nicht in schwarzen; denn vielleicht komme ich unter die Frommen, warum soll ich da sein wie ein Trauernder unter den Hochzeitsgästen. Und nicht in weißen; denn vielleicht bin ich sündhaft, warum soll ich dann sein wie ein Bräutigam unter den Trauernden. Im Buche Koheleth heißt es: Besser ist der Tag des Todes als der Tag der Geburt. Der Midrasch erklärt das Wort: Das Leben des Menschen gleicht der Fahrt eines Schiffes; besser, es wird begrüßt bei der glücklichen Heimkehr im Hafen als bei der Ausreise ins Ungewisse. Rabbi Levi sagte: Bei drei Dingen geht ihr Schall von einem Ende der Welt bis zum andern, ohne daß die Geschöpfe etwas davon merkten: das ist der Tag, der Regen und die Seele, die den Körper verläßt. Die Vorgeschichte. Anläßlich der Eröffnung des neuen Friedhofes hat die Wiener Kultusgemeinde eine Denkschrift herausgegeben, welche sich bemüht,