Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1928)
- Article
- Der neue Judenfriedhof in Wien
- Date
- 1928-10-01
- Page
- Seite 552 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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552 MENORAH die man „unter uns" partout nicht gelten lassen will. Ihre Hilfe war nicht zu entbehren. Trotzdem haben wir vor diesem Forum mit unseren Klagen und Bedenken den vorsichtigsten Gebrauch gemacht, haben die Worte freundlich gewählt und geschont, was zu schonen nur möglich war. Denn schon damals hatten wir vor, das Letzte zu diesem grundsätzlich sehr wichtigen Ereignis in einer jüdischen Zeitschrift auszusprechen. Das soll jetzt hier geschehen. Hier sind wir wieder „unter uns". Hier dürfen und wollen wir unverblümt sagen, was zu sagen ist. Nicht um den Fehlschlag zu kennzeichnen, sondern um seine Ursachen aufzudecken und ihr schädliches Fortwirken zu verhindern. Es geht uns nicht so sehr um den neuen Friedhof. Es geht uns weit mehr um das Beispiel für die traurige Beschaffenheit unserer Kunstverhältnisse, das er an die Hand gibt. Die Gelegenheit will genützt werden, um — mit reinem sittlichen Willen — die allgemeine Notlage der echten jüdischen Kunst zu beleuchten. Dabei muß von allerhand Drum-und-Dran die Rede sein. Denn diese beiläufigen Begleiterscheinungen enthalten vielleicht die Wurzel des Uebels. Einige Aussprüche neueren Datums. Als die Sache schon im Gange war, nannte ich im Gespräch mit einem Mann meine Bedenken gegen das angenommene Projekt. Da sagte der Mann: „Ich weiß nicht, was Sie wollen. Ich werde dort ruhig schlafen". Der Mann, der dieses Argument ins Treffen führte, ist ein Intellektueller, ist der Führer einer großen jüdischen Partei. Ein anderer, nicht weniger prominent und maßgebend in seiner Körperschaft, sonst freilich von geradezu entgegengesetzter Weltanschauung, meinte für seinen Teil: „Der Bau wird trotzdem stehen bleiben". Derselbe Mann versicherte mir, daß die 2000 Besucher am Tag der Eröffnung „durchweg entzückt" waren. Uebrigens sei die Anlage nicht für die paar Leute vom Fach, soweit sie anderer Ansicht sind, gebaut worden, sondern für das Publikum. Und dieses sei — wie gesagt — „entzückt". Ich habe seine Behauptung überprüfen können. Sie stimmt. Ein Mann aus dem Volk war einfach sprachlos, immerhin nannte er das Bauwerk „prachtvoll", ein zweiter nannte es „imposant".