Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 9 (September 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 535 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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VOM NIL ZUM JORDAN 535 Wegs, aber das war auch die einzige Rettung für Menschen, die sich in einem derartigen Zustand befanden. Und es geschah denn auch. Ich begab mich zu den Deutschen, um mit ihnen ein Gespräch anzuknüpfen, und fand zweihundert fertige Republikaner . . . Absichtlich streiche ich aus dieser deutschen Übersetzung meiner Erinnerungen jene Gespräche. Es ist nicht meine Sache, aber von Natur aus liebe ich Menschen nicht, die im Jahre 1918 zu enthusiastisch einer anderen Meinung huldigen als 1914; denn die meisten unter ihnen, obwohl unrasiert, sahen gar nicht aus, als wären sie Mitglieder der Liebknecht- Partei. Einige hatten Schmisse auf den Wangen — Vorkriegsschmisse . . . Aber die Geschichte, die sie über sich selbst erzählten, war wirklich interessant. Drei Tage in der Wüste ohne Brot und Wasser; Beduinen, die die Uhr, den Ring von der Hand, manchmal sogar die Schuhe von den Füßen rauben; Malaria; Kameraden, die zu Boden fallen und flehen: „Geht weiter, laßt mich ruhig sterben . . ." ..Barnes '" sagt der Colonel, ,,wieviel Mann sind noch in Ihrer Kompagnie verb 1 iebenf' ,Aehtzehn Gesunde, Sir", entgegnet mein Kompagniekommandant. „Also werden Sie heute die elfhundert Gefangenen nach Jericho bringen.4' Und wir führten sie eine Strecke von zwölf Meilen —- achtzehn Juden und drei Offiziere als Bewachung für neunhundert Türken und zweihundert Deutsche; sie könnten auch unbewaffnet binnen fünf Minuten uns den Garaus machen. Die Gefangenen schleppten sich in Viererreihen einher; unsere Soldaten bilden mit geladenem Gewehr und Bajonett auf rechts und links von den Gefangenen — eine „Kette", in der einer den anderen nicht nur nicht sehen, sondern auch nicht einmal hören kann. Der „Padre" geht auch mit uns mit, um darauf zu achten, daß dem Gegner in seinem Unglück kein Unrecht geschehe. Und so geht es endlos im Altweibermarsche, wieder über dieselbe Jordanebene, aber in der entgegengesetzten Richtung. Alle schweigen, außer diejenigen, die vor Malariaschmerzen ächzen. Und ihrer sind Dutzende: die Deutschen ächzen bloß, aber die Türken heulen wie kleine Kinder, oder wie die in der Dunkelheit uns nachfolgenden S c h a k nie. Der „Padre" und ich gehen als letzte. Plötzlich vernehmen wir weit vorne Geschrei, einen Pfiff, einen Schuß. Wir eilen nach vorne. Eine