Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 9 (September 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 531 (sequence 9)
- Language
- German
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VOM NIL ZUM JORDAN 531 kamen vom anderen Jordanufer. Wir erwiderten das Feuer nicht. Ich signalisierte jedoch Barnes, indem ich die Stelle bezeichnete, woher das Feuer kam; und er ließ dann sein Maschinengewehrfeiler auf sie los. In den ersten fünf Minuten erwiderte der Feind das Feuer und dann wurde es still. Anscheinend war das das letzte Lebenszeichen der sich zuriickziehenden Tu rken. Kurz vor Sonnenuntergang trafen sich meine Späher mit den Kundschaftern einer anderen Kompagnie, die den ,,Ditchu' in der entgegengesetzten Richtung von Norden nach Süden absuchten. Ich meldete dem Kommando, der Übergang sei frei; der Colonel gab die Meldung an den Kavalleriestab des Generals Chaylor weiter und eine Stunde darauf konnten die ersten Anzac-Dragoner den Jordan ruhig übersetzen und den sich zurückziehenden Feind aus Gilead vertreiben. In Allenbys Frontbericht hieß es: „In der Nacht vom 22. auf den 23. September eroberte das 38. Bataillon der Royal Füsiliers den Jordanübergang bei Um-Esch-Schert." Den Übergang haben wir erobert; wir waren es, die ihnen den Schlüssel zum anderen Jordanufer gaben -- eine kuriose Beleuchtung der Tatsache, daß das andere Jordanufer heute aus dem Bereich des jüdischen Nationalheims ausgeschaltet ist. Jljvl den ersten Infanterietruppen, die nach der australischen Kavallerie das Gebiet jenseits des Jordans betraten, gehörten die Amerikaner Margolins. Sie übersetzten den Jordan auf der Brücke von Ghoianija, einige Meilen südlich von Um-Esch-Schert, und marschierten bis Es-Salt (man hält es für das alte Ramoth-Gilead), wo Colonel Margolin das Kommando über Stadt und Kreis übernahm. Unser Bataillon folgte den beiden Kompagnien Margolins. Dieser Marsch in den Gebieten jenseits des Jordans war der schwerste, den ich je erlebt hatte; nicht nur ich, sondern auch Patter - son, der sich noch des Burenkrieges im tropischen Südafrika erinnert (da der Krieg noch nicht wie heute ein Stellungskrieg wTar, sondern aus Manövern und Märschen bestand), behauptete, er habe einen beschwerlicheren Marsch noch nie durchgemacht. Äußerst schwierig war der Marsch von der Brücke bis zum Fuße der Berge Moab; eine w^eglose Wüste, in der die Türken vor ihrem Abzüge das trockene Gras angezündet hatten. Der schwere schwarze Rauch legte sich in der windlosen Hitze so dicht auf den Boden, daß unsere Kompagnien oft die Verbindung miteinander verloren. Aber noch unendlich schwerer war der Aufstieg ins Gebirge.