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Menorah · 1928-09-01 · Heft 9 (September 1928) · p. Seite 532

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 9 (September 1928)
Article
Vom Nil zum Jordan
Date
1928-09-01
Page
Seite 532 (sequence 10)
Language
German
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532 MENORAH Es war um die Mittagszeit. Die Steigung des Weges betrug manchmal bis 15 Grad. Soldaten und Unteroffiziere mußten auf dem Rücken außer Gewehr, Patronen und Tornister auch den „kitbag" schleppen — einen langen, breiten, mit Hemden, Socken und Kommisschuhen vollgestopften Sack — kurz, alles Gute, womit die reiche Tante England ihre Soldaten bedacht hat; sogar ein Rasiermesser und eine Schachtel Putzpasta für die Knöpfe fehlte nicht. Fast hätte ich noch an die Wasserflaschen vergessen, in denen die Sonne noch am Vormittag das Wasser ausgetrocknet hatte. Die Offiziere, die nur Tornister trugen, suchten nach Möglichkeit zu helfen. Jeder von uns schulterte vier bis sechs Gewehre. Der ,,padreu Reverend Falk trug auch einige Gewehre auf dem Rücken. Aber das half nicht viel. Der Staub in den Bergen setzte uns noch mehr zu, als der Rauch des brennenden Grases im Tale. Wir hielten zwischen den Zügen volle fünfzig Schritte Abstand, aber auch dies nützte bei der herrschenden Windstille wenig. Die ganze Zeit marschierte man in einer rotgrauen Wolke und atmete Lehm und Kalkstaub statt Luft. Alle zwanzig Schritte trat ein anderer aus der Reihe, warf sich mit offenem Munde unter einem Felsen zu Boden, ohne die Kraft, weiter - zumarschieren. Jetzt wird man spöttisch behaupten: , Jüdische Helden!' dachte ich beschämt, bis ich auch zwei athletisch gebaute christliche Sergeanten — erst vor kurzer Zeit an Stelle der an Malaria erkrankten Kameraden uns zugeteilt — erblickte, die mit geschlossenen Augen unter einem Felsen saßen, und, wie Karpfen im Trockenen, nach Luft schnappten. Von Zeit zu Zeit bot sich unseren Augen noch ein anderes Schauspiel: türkische Pferdekadaver. Ich kann nicht begreifen, weshalb die Türken während ihres Rückzuges so viele Pferde getötet hatten. Vielleicht hatten die armen Tiere in dem Wirrwarr einer demoralisierten, zurückflutenden Armee sich die Beine gebrochen und man mußte sie erschießen, oder ließ man sie einfach unterwegs eingehen? Nicht nur ihre Pferde ließen die Türken im Stiche, sondern auch die berühmte „Jericho Jane", jenes Geschütz, unter dem Margolins Camp so viel zu leiden hatte; es lag kopfüber in dem Strom Wadi- Nimrin. Berge von Geschütz- und Gewehrmunition, in Originalverpackung, fanden wir unterwegs. Und das war bloß ein geringer Teil, vielleicht ein Zehntel dessen, das die Türken zurückgelassen hatten. Eine Truppe Dragoner, der wir begegneten, erzählte uns, sie hätten zwei Tage vorher, bei der Verfolgung des Feindes, auch unzählige

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