Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 9 (September 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 527 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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VOM NIL ZUM JORDAN 527 Rolle spielte wahrscheinlich auch eine andere Sache: Wir waren das einzige weiße Bataillon, das keine Säufer hatte. Noch in Portsmouth mußte die ,,nasse" Kantine unseres Camps mangels Zuspruchs geschlossen werden. Es gehört zu den Gepflogenheiten der Armee, wie überhaupt der nicht jüdischen Welt, über Menschen zu spotten, die aus der Dreieinheit Wein, Weih und Gesang das erste Glied nicht goutieren können, aber in verantwortlicher Stunde ist man doch gezwungen, auf die Tatsache zu bauen, daß es irgendwo ein eigentümliches Bataillon gibt, dessen Mannschaft man sogar am „pay day" (Löhnungstag) voll ausnützen kann. Zweitens: Soweit wir gehört haben, pflegte kein anderes Bataillon so viele Gefangene einzubringen wie das unsere. Ich gestehe, das geschah nicht kraft unseres Heldenmutes, sondern einer anderen Tatsache wegen. Wieder muß ich unserer Boys vom Zion-Mule-Corps Erwähnung tun. Fast alle verstanden arabisch, einige von ihnen auch ein wenig türkisch. Bei jedem Zusammenstoß mit den feindlichen Patrouillen riefen sie den türkischen Soldaten Phrasen zu, wie: ,,Kommt zu uns, man wird euch zu essen geben." Bei den türkischen Soldaten war das damals schon eine wichtige Angelegenheit. Sowohl die Armee, als auch das Hinterland waren schon sehr desorganisiert; die Soldaten waren nicht selten auf trockenes Brot und Gottes Mitleid angewiesen. Binnen einer Woche verbreitete sich in den türkischen Stellungen das Gerücht, es gäbe auf der jüdischen Front Freunde, die türkisch verständen und alles Gute versprechen. Es gab Nächte, an denen unsere Patrouillen sechs oder sogar zwölf Gefangene einbrachten. Ja, in jenen Tagen hatte General Allenby vielleicht eine gute Meinung von den jüdischen Soldaten. Er schrieb dem Colonel und versprach ihm eine jüdische Brigade zu schaffen und Patterson als Brigadegeneral das Kommando zu übergeben. In der Not vergißt man auch persönliche Abneigungen, man rechnet dann nur mit dem objektiven Wert der Menschen als Menschen. Wenn aber der „Moment" vorüber ist, dann beginnt ein anderes Kapitel. Am 19. September befahl General Chaytor, Kommandeur der australischen und neuseeländischen Kavallerie und Chef aller Streitkräfte im Jordantale, Colonel Patterson zu sich und gab ihm seine Befehle für die Offensive. Unser Bataillon hatte gemeinsam mit Margolins beiden Kompagnien ein besonderes Korps zu bilden, das Patterson Kolonne" genannt wurde. Die erste Aufgabe war, bis an den Jordan durchzubrechen und den Stromübergang, den die Araber