Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 9 (September 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 525 (sequence 3)
- Language
- German
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VOM NIL ZUM JORDAN 525 sund aus dem Spital zurück; dreißig bis vierzig liegen doch auf dem Ölberg... Die Türken störten uns hier nicht mit Bombardements, obzwar Margolins beide Kompagnien, die weiter südlich lagen, von einem großen österreichischen Geschütz, das „Jericho-Jane" benannt wurde, viel auszustehen hatten. Aber der Palrouillendienst wurde ein sehr gefährlicher Zeitvertreib. Der Südteil der Jordanebene, in der wir lagen, ist ein breiter und tiefer „canyon"; aber in der Mitte läuft ein zweiter, enger Graben, in dem der Jordan fließt. Die Türken hielten noch beide Ufer des Jordans. Die Aufgabe unserer Patrouillen ging nicht nur dahin, den Feind zu beobachten, sondern — und hauptsächlich — die Aufmerksamkeit des Feindes von Allenby's Jaffaer Vorbereitungen auf das Jordantal abzulenken. Wie die Encyclopaedia Britannioa berichtet: „Allenby beschloß, am Meeresufer anzugreifen, während man bei den Türken den Eindruck schaffen wollte, als ob ihre linke Flanke bedroht wäre. Geschickte Demonstrationen wurden durchgeführt, um eine Truppenkonzentration im Jordantale zu simulieren, während dort tatsächlich bloß die Anzac-Kavalleriedivision und ein paar Bataillone standen/' Diese geschickten Demonstrationen hatten auch wir jede Nacht zu simulieren. Deshalb mußte man jede Nacht weite Wege, manchesmal sogar bis zum Rand jenes zweiten Grabens, zurücklegen. Das gelang natürlich nur in den seltensten Fällen. Jede Nacht entstand eine Schießerei außerhalb unserer Linien; jede Woche hatten wir Verluste zu verzeichnen. Die Besonderheit des von unseren jüdischen Kompagnien besetzten Frontabschnittes lag darin, daß er wie ein „Eckstein" im Schnittpunkt der im rechten Winkel aufeinanderstoßenden Linien der englischen Front gelegen war. Ein Blick auf die Karte zeigt, daß die damalige englische Stellung vom Meere, etwas nördlich von Petach Tikwah beginnend, in fast gerader Linie ostwärts sich beinahe bis zum Jordan hinzog und hier einige Meilen westlich des Jordan im rechten Winkel abbiegend nach Süden von der Mellacha bis zum Toten Meere reichte. Der „vertikale" Schenkel dieses Winkels, dort, wo die vom Meere ostwärts verlaufende Stellung mit der vom Toten Meere nach Norden führenden zusammenstieß, war von uns besetzt. Für den Feind war eine solche Stellung der verlockendste Angriffspunkt. (Man erinnere sich an den Durchbruch von Gorlice, wo die russische Karpathenfront mit der galizischen Front fast im rechten Winkel zusammenstieß). Beim Vorgehen drohte ihm Flankierungsfeuer nur aus