Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 9 (September 1928)
- Article
- Eine Geschichte, die wahr sein könnte ...
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 516 (sequence 4)
- Language
- German
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516 MENORAH gilt nicht absolut, wenn man mich recht versteht. Wir sind nicht Richter, die Recht sprechen, unbeirrt von dem, was folgt. Möge die Welt zugrunde gehen, wenn nur Recht wird, sagten sie nicht so, die Richter? Podkamienski: Was soll das, Genosse Nowosilzew? Soll die Welt zugrunde gehen über Brutzkin? Nowosilzew: Was ist uns Gerechtigkeit, Genossen, wenn sie gegen unsere Sache ist? Ich sage nicht, daß in dieser Sache die Gerechtigkeit gegen uns wäre ... allein . . Podkamienski: Ein politisches Rezept auch hiefür? Nowosilzew: Ich sage, daß wir es prüfen müssen. Prüfen . . . Brutzkin hat Juden umgebracht, der Oberbefehlshaber hat seine Absetzung verlangt. Das heißt . . . wie wird man es auslegen, Genossen? Für den Oberbefehlshaber, für Podkamienski? Po dkamienski: Denk nicht an mich, Nowosilzew! N owosilzew: Ich denke an niemanden, an mich nicht, an dich nicht und an Brutzkin nicht. Ich denke an die Folgen, die die Versetzung Brutzkins in den Anklagezustand für die Sache haben kann, wenn die weiße Propaganda es aufgreift. Wir sind frei von Vorurteilen, aber wir müssen mit diesen Vorurteilen rechnen. Die weiße Propaganda wird es benützen können, sie wird immer stärker, ich ziehe noch keine Schlüsse, Genossen, ich sage, daß geprüft werden soll, ob wir nicht selbst Waffen gegen uns liefern. Ich sage noch nichts, als daß wir die Sache überlegen sollen. Podkamienski: Prüfen, Nowosilzew? Überlegen? Nowosilzew, das willst du überlegen? Nein, nein, Nowosilzew . . . . Und ihr . . . (Die anderen haben die Köpfe gesenkt, Schweigen, Stille.) Ihr schweigt alle? Gargunow, du schweigst, Syrcow . . . oh, oh . . . Ihr hattet die Karten gemischt, schon ehe ich kam . . . Mein eigener Vater ist darunter gewesen, Gargunow . . . auch ein Weißer? Vielleicht bin ich selbst . . . mir dämmert es . . . soll vielleicht der Sieger in deiner Proklamation vor allem kein Jude sein, Nowosilzew? Ich verstehe dich, Nowosilzew . . . was würde die weiße Propaganda . . . ich verstehe euch . . .! Nowosilzew: Keiner unter uns, der vergäße, was du als Flüchtling und später getan hast. Was ich gesagt habe, ich habe es schweren Herzens gesagt. Die Gründe sind äußere Gründe, die du selbst bei ruhiger Besinnung anerkennen wirst. Verstehe, daß sich nichts geändert hat, wir achten dich, Genosse Podkamienski . . . Podkamienski: Ja, ja, ihr achtet mich, aber ihr . . . ihr liebt mich nicht . . . und ich . . . und ich . . . Vorsitzender: Des Genossen Podkamienski Dienste können wir nicht hoch genug anschlagen. Aber vielleicht hat Nowosilzew recht. Unsere Lage verlangt, daß wir nicht überflüssig Angriffsflächen geben. Podkamienski wird weiter dienen und nicht wollen, daß Schaden stiftet, was zum Nutzen sein könnte, wenn man . . . Podkamienski: Wenn man ihn versteckt. . . verbirgt... oh, oh . . . Ihr seid euch schon schlüssig geworden, ehe ich kam. Keiner, der zu mir steht? Keiner? Ihr seht den Juden, immer den Juden, sonst nichts. Bin ich sonst nichts? Hab' ich nicht ... war ich nicht . . . Warum wollt ihr mich nicht? Gargunow . . . damals in der Dachkammer, in der Schweiz, als wir beisammen saßen und träumten . . . mir war damals, als liebtest du mich . . . Gut, gut ... ist der Traum zu Ende, Gargunow? Für mich, für mich . . . Gargunow: Nichts ist zu Ende . . . Podkamienski. (Legt Podkamienski zärtlich die Hand auf die Schulter.) Podkamienski: Du hast Tränen in den Augen, Gargunow . . . das ist alles? Tränen sind nicht genug! Nichts, nichts . . . die Soldaten können mich nicht lieben, weil ich . . . Wie könnten sie einen Juden wollen, Gargunow . . . Hier, hier, hier ist er, den sie wollen und lieben. Hoch Brutzkin, mag es Brutzkin sein, er hat einen alten Juden erschlagen, der mein Vater war, Gargunow! . . Wo ist die Proklamation Nowosilzew . . . hier, ich unterzeichne . . .! Oder auch das