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Menorah · 1928-09-01 · Heft 9 (September 1928) · p. Seite 515

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 9 (September 1928)
Article
Eine Geschichte, die wahr sein könnte ...
Date
1928-09-01
Page
Seite 515 (sequence 3)
Language
German
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EINE GESCHICHTE, DIE WAHR SEIN KÖNNTE . 515 — aber was tut's zur Sache, wer darunter war — sie haben auf uns gehofft, unser Kommen ersehnt, den Versprechungen geglaubtl Ich spreche nicht für mich, Genossen! Ich fühle mich frei von Bindungen an irgend etwas, außer den Bindungen an unsere Sache, so frei, daß ich es wagen kann, den Verdacht auf mich zu nehmen, an die gemordeten Juden mit meinem Herzen gebunden zu sein! Was Juden! Es waren Unschuldige, die dieser hat morden lassen. Dient er dem Zaren oder dient er der proletarischen Sache? Sind es Weiße gewesen und hat er es geprüft? Ich frage nicht, ob es Juden waren! Aber er hat gefragt, ob es Juden sind und hat sie umkommen lassen, um seine Leute bei Laune zu halten! Braucht die proletarische Sache Pogrome, um denen, die für sie kämpfen, Laune zu machen, Genossen? Müssen wir erst Brand an die Hutten legen, um das Feuer in uns zu entfachen? Was ist das für eine Laune, die du dir machst? Was ist das für ein Feuer, das in dir brennt? Was ist das für eine Sache, der du dienst, Brutzkin? Befleckt, bedreckt und geschändet! B r u t z k i n: Weiß der Teufel, es ist unter den Panjes auch mancher unschuldig zum Handkuß gekommen. Ich nahm sie alle auf meine Seele, Genossen, die Unschuldigen, die Panjes, die Pfaffen und die Juden! Sie werden meine Seele nicht plattquetschen mit ihrem Gewicht, Genossen. Ich sage es, wie ich es denke! Genossen! Po dkamienski: Und du denkst, wie einer nicht denken darf, dem unsere Sache eine heilige Sache ist! Darf einer so denken wie Brutzkin, frage ich euch, Genossen, so handeln, der für eine proletarische Sache ficht? Sind es dicke Bürger und Gutsherren gewesen, die du umgebracht hast, Brutzkin, oder Verfolgte, Hungernde, Gehetzte, Geschlagene und Verzweifelte? Er sah nur, daß sie einen Kaftan tragen, sonst nichts, und wie ein General des Zaren ermordete er sie. Was sind dagegen die versteckten Rubel des Krämers? Und was steht darauf, Brutzkin, was steht darauf? Ich verlange, der Oberbefehlshaber der Roten Armee, daß Brutzkin gegenrevolutionärer Gesinnung und gegenrevolutionärer Handlungen angeklagt wird. Was sind alle Siege, die errungen worden sind — man kann verlorene Schlachten wiedergewinnen, Genossen — wenn die Rote Freiheit zur Hure wird für die Lüste eines Lumpen. (Pause.) Vorsitzender: Wer wünscht das Wort? Brutzkin? Brutzkin: Was soll ich sagen, Genossen? Ich bin stets ein guter Soldat gewesen, ein guter Soldat der Revolution, mein' ich, Genossen. Nowosilzew: Ich bitte um das Wort. Wir haben schweigend die Anklage gehört, beschämt, daß einer der Unsern sich hat zu Taten hinreißen lassen, die wir verabscheuen und verdammen. Der Genosse Podkamienski hat recht: auf deine Taten, Brutzkin, gibt es nur eine Antwort: Anklage. Wer die Menschen anders einteilt als in solche, die gegen uns sind, sieht nicht mit unseren Augen. Können wir es verantworten, dem Genossen Brutzkin weiterhin die Führung unserer Sache an exponierter Stelle anzuvertrauen, bürgt er uns dafür, daß die schlechten, alten, auch uns immer feindlichen Instinkte, die — leugnen wir es nicht — in den Massen noch schlummern, bereit, aufzuflammen, wenn ein Funke sie entzündet, durch sein Beispiel unterdrückt werden, oder ist er nicht vielmehr eine Gefahr für unsere Sache, und wo, Genossen, endet dieses Unternehmen, wenn der Genosse Brutzkin fortfährt, die uns folgen, in ihren Zielen und Wünschen unsicher zu machen und zu beirren? Ein System, das keine Idee hat, muß sich mit vielen kleinen Fahnen bestecken, und auch Brutzkins Fähnchen wird da leicht zur Fahne. Unsere Idee duldet nichts neben sich, alles andere ist daneben gleichermaßen böse, denn alles daneben ist zugleich dagegen. Podkamienski: Stimmt über meinen Antrag ab, Genossen! Nowosilzew: Wenn es erlaubt ist . . . noch einige Worte. So müßte . . . Ich bin noch nicht zu Ende. Was ich gesagt habe,

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