Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 9 (September 1928)
- Article
- Eine Geschichte, die wahr sein könnte ...
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 514 (sequence 2)
- Language
- German
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514 MENORAH „Theater an der Königgrätzer Straße" in Berlin seine Uraufführung erleben*). Das Drama spielt in Sowjetrußland. Podkamienski (der deutlich die Gestalt und das Wesen Trotzkis widerspiegelt), ist Oberbefehlshaber der Roten Armee, die zu Beginn des Stückes gegen die Polen kämpft. Unter seinen Unterführern ist auch Brutzkin, der auf seinem vorläufigen Siegeszuge Judenpogrome teils zuläßt, teils veranstaltet. Er handelt so, weil Neid gegen den Oberbefehlshaber sich in Haß verwandelt hat und weil er in den Pogromen Rache an Podkamienski nehmen will. Podkamienski-Trotzki spürt mitten im Aufblühen der Freiheit den alten, urewigen Judenhaß 1 In einer großen Szene, die im Beratungszimmer der Volkskommissäre spielt, stoßen die Gegensätze zusammen, als Podkamienski Brutzkin zur Rechenschaft ziehen will . . . So wie Ungar dichtet, könnte tatsächlich alles gewesen sein . . . aber es sei ausdrücklich hingewiesen, daß Ungar hier frei aus seiner Phantasie schafft und kein wirklicher Vorgang hier zugrunde liegt. In dieser großen Szene legt aber Ungar in Podkamienski- Trotzki ein Bekenntnis abl * * * Beratungszimmer. B rutzkin: Ich bin kein Redner, Genossen, weiß Gott, ich habe nichts gelernt, als die proletarische Freiheit lieben und zufassen! Aber ich dachte, dazu bist du ja da, Iljy Iljitsch Brutzkin, daß du die gestellte Aufgabe erfüllst, und zu sonst nichts, und das haben wir getan, wie der Genosse Podkamienski, der es besser sagen kann als ich, es auch zugeben wird. Podkamienski: Du hast auch Aufgaben gelöst, die du dir selber gestellt hast, Genosse Brutzkin. Ist es wahr oder nicht, daß in den besetzten Orten mit deinem Wissen Blutbäder unter der Bevölkerung angerichtet wurden, antworte mir! Brutzkin: Der Krieg ist ein rauhes •) Im Bühnenvertrieb Felix Bloch Erben erschienen. Geschäft, Genossen, das ist anders, als man es sich bei der Lampe vorstellt. Da ist nichts zu suchen für feine Nerven. Es sind viele hinüber . . . unsere und andere. Podkamienski: Mit deinem Wissen hinüber, Brutzkin? Mit deinem Wissen? Brutzkin: Wenn du sie bei Laune halten willst, mußt du ihnen zwei Dinge geben, damit sie tun, was Sie wollen, Genosse Oberbefehlshaber, wo es doch nichts zu fressen gibt und keinen Hafer für die Pferde: Also zwei Dinge, die Pfaffen und die Juden, und was gehen sie dich an, Genosse Oberbefehlshaber, die Pfaffen und die Juden? Podkamienski: Was sie mich angehen, fragst du? Bin ich nicht der Oberbefehlshaber und bürge ich nicht für dich? Wenn ihr geschlagen worden wäret, wer hätte es hier verantwortet, du Brutzkin? Du? Wir erwerben Verdienste, aber keinen Lohn, gut, gut Nowosilzew, aber die wir führen, über wen wird man zu Gericht sitzen, über mich oder über dich, Brutzkin? Was sie mich angehen, die Juden? Ich verstehe, Brutzkin, ich verstehel Der Schutzherr der Juden Podkamienski, willst du sagen! Man hat ein paar Juden umgebracht in diesem großen Morden, und ich stehe da und erhebe Anklage gegen dich, den braven, einfachen Mann, vielleicht ist dein Herz rauh, aber bist du nicht ein Krieger und soll ein Krieger sanft sein? Sind es nicht Weiße gewesen, Feinde unserer Sache, sag es doch, Brutzkin, die du hast umbringen lassen in hundert Dörfern und Städten, hundert und aber-hundert? Brutzkin: Daß mich die Pest, Genossen, wenn das nicht wahr ist, und wenn sie nicht alle durch die Bank weiße Verräter sind! Podkamienski: Darum hast du sie umgebracht? Sprich doch, nur darum? Wenn ich nicht wäre, lebten sie nicht noch? War es nicht, weil du mich haßt und weil du mir durch ihre Leichen zurufen wolltest, was du mir nicht selbst zu sagen wagst: Du Jud! Du Jud! Du Jud 3 — Genossen, es sind nicht alles Weiße gewesen, die er gemordet hat, es war darunter