Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 9 (September 1928)
- Article
- Ein Vorurteil
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 511 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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EIN VORURTEIL 511 Art), Schickli Sammut-Nakasche, der angesehene Schuhmacher aus der Rue AI-Dschazira (eleganteste Luxusschuhe), und alle anderen, sowie die Madar, die Madar-Cohen, ja sogar die Cohen-Maimun. All diese Leute lachten und sangen, denn die Juden sind ein heiteres Volk. Einige Männer sprachen Gebete. Man brachte einen hölzernen Lehnstuhl, auf dem Fische und Hände abgebildet waren. Rebekka heftete den üblichen, mit hebräischen Buchstaben bestickten Behang an die Wand. Auf einen Stuhl legte man einige dicke Gebetbücher, die mit einem aus der Synagoge entlehnten Teppich bedeckt waren. So wurde der Altar des Propheten Elias, des Beschützers der Neugeborenen, improvisiert. Der Operateur kam. Ich wurde ihm vorgestellt. Es war Isaak Bessis, der wegen seines Könnens und seiner Geschicklichkeit berühmt war. Er trug einen schwarzen Anzug und einen runden schwarzen Hut. Er machte sich sogleich an die Vorbereitungen. „Ich kenne die modernen Methoden," sagte er. „Ich sauge die Wunde nicht mehr selber aus. Ich besitze einen gläsernen Schröpfkopf und ziehe meine Instrumente durch die Flamme." In der Tat setzte er ein kleines Messer, dessen Griff einen Fisch darstellte und dessen silberne Klinge wie ein Seerosenblatt gekerbt war, sowie eine Schere einer Alkoholflamme aus. Dann stellte er eine Tasse voll Wein auf den Tisch, dazu eine zweite voll Asche und außerdem Veibandwatte. Indessen wickelte man das Kind aus und der Vater Nakasche verteilte Myrthenzweige unter die Anwesenden. Als alles bereit war, stellte sich Khemais vor den an die Wand gehefteten Behang. Er preßte die Lippen aufeinander und schien ganz erschöpft. Man legte ihm das Kind in die Arme, legte ihm ein Seidentüchlein auf den Kopf und die Gebete begannen. Ich beobachtete den guten Khemais mit ein wenig Besorgnis. Seine Hände zitterten. Der kleine Junge fing an zu weinen. Da streifte der Operateur die Ärmel seines Rockes auf, rückte seinen Hut nach hinten und rief, daß es Zeit sei, ihm das Kind zu bringen. Samuel Nakasche aus dem Suk el Hut nahm auf dem mit Händen und Fischen verzierten Lehnstuhl Platz. Er hielt das Kind wie ein Brathuhn, das man eben füllen will. Rebekka Nakasche bekam die Erlaubnis' auf allen vieren unter den Lehnstuhl zu kriechen, was unfruchtbaren Frauen Glück bringen soll. Ich war ein gewichtiger Gast, und so bat mich der Operateur, ihm die Platte darzureichen. Er setzte die Silberklinge an, schnitt alles Uberstehende weg und warf etwas in die Asche, das er den „Bribuss"