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Menorah · 1928-09-01 · Heft 9 (September 1928) · p. Seite 510

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 9 (September 1928)
Article
Ein Vorurteil
Date
1928-09-01
Page
Seite 510 (sequence 6)
Language
German
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510 MENORAH vor mirl Diese revolutionäre Kühnheit trug ihm mehr Schmähungen und Feindseligkeiten ein, als je ein Abtrünniger zu erdulden hatte. Die Familien Nakasche und Madar waren sich in ihren Bemühungen ganz einig. Rahil war ihrer Macht gewiß und entfachte den Kampf im Hause selbst. Man faßte verschiedene Formen der Trennung ins Auge, und das Problem komplizierte sich sogleich, denn Khemais hatte schon die Mitgift seiner Frau in verschiedenen Unternehmungen festgelegt. Man sprach davon, den Zwist Herrn Dario Galo-Madar zu unterbreiten. Kurz, es wurde ein kleiner Skandal organisiert. Ich sah den jungen Mann fast täglich und wollte ihn zu einem Vergleiche bewegen. „Ich bin der Herr!" grollte er. Doch ich konnte ihm nur antworten: „Ach nein, das sind Sie nicht, Freund. Und was macht das auch in diesem Falle? Jeder Arzt wird Ihnen sagen, daß die Beschneidung eine sehr gescheite Maßregel ist." Khemais brüllte: „Vorurteil!" Dann setzte er feige hinzu: „Übrigens ist es vielleicht ein Mädchen." Der Himmel duldete diesen Kompromiß nicht und Rahil brachte einen Jungen zur Welt. Khemais war bis in die Tiefe seiner Seele beunruhigt. Nakasches trugen einen lärmenden Sieg davon: die Beschneidung wurde beschlossen. Ich erhielt eine Einladung zu dem kleinen Feste. Es fand an einem Morgen statt. Ich war frei und nahm daran teil. Strahlenden Angesichts ruhte Rahil noch in ihrem Bett. Man hatte die Tür nach der Terrasse geöffnet, und auf dieser drängten sich schon die Eingeladenen. Ich fand Khemais ruhig, doch mit gequältem Ausdruck und einem ungewöhnlichen Glanz in den Augen. „Ich wollte," sagte er zu mir, „daß mein Sohn Fernand heiße. Nun werden sie ihn Abraham nennen." Er zuckte die Achseln. „Wer sitzt auf dem Lehnstuhl und hält das Kind?" fragte ich. „Samuel Nakasche aus dem Suk el Hut, der Mann der Rebekka. Die Unglücklichen haben keine Kinder. Sie haben sich diese Rolle als besondere Gunst erbeten. Sie soll Glück bringen." Khemais lächelte gezwungen, warum, verstand ich nicht recht. Mutter Nakasche ging mit einer Flasche Rosenwasser von Zimmer zu Zimmer. Hin und wieder nahm sie einen Schluck in den Mund und zerstäubte es dann, indem sie es aufblies, um so die Luft zu reinigen. Die Wohnung füllte sich. Alle Nakasches erschienen auf dem Plan: Samson aus dem Belvedere, der Leichenbestattungsunternehmcr (Instandhaltung der Gräber bei jährlicher oder monatlicher Bezahlung), Messaut, der Schneider aus der Rue des Maltais (Reparaturen alier

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