Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 9 (September 1928)
- Article
- Wenn die Juden verstünden Politik zu machen
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 499 (sequence 6)
- Language
- German
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WENN DIE JUDEN VERSTÜNDEN, POLITIK ZU MACHEN 499 er die Völkerfreiheit, die bürgerliche Entwicklung der europäischen Menschheit eingeleitet und ermöglicht hat. Wir hören nun viel von den Egoismen der einzelnen und den Nichtsnutzigkeiten einiger Korporationen. Aber wir müssen wissen, daß die Bevölkerung der Vereinigten Staaten in ihrer mächtigen Gesamtheit für alles Edle und Gute zu begeistern ist. Noch haben diese 120 Millionen Menschen nicht ihr letztes Wort gesprochen; sie stammeln kaum ihr erstes. „Lasse uns, o Herr, diese Synthese von ganz Europa, den Aufstieg dieses Volkes aller Völker in seiner Vollendung erleben.'* Amerikanische Staatsmänner glauben an Verträge, weil diese junge Großmacht noch selten in der Lage war, Pakte zu durchbrechen. Im Juni 1913 sagte mir Mr. Bryan, der Staatssekretär des Äußern, ein bekannter Pazifist, der — als er wenige Monate zuvor mit Woodrow Wilson ins Amt kam — alle Staaten der Welt in einem Schiedsvertrag vereinigen wollte: „Wir besitzen bereits die Zusage von 14 Staaten, Ihr Kaiser Franz Josef hat als erster eingewilligt, auch Kaiser Walhelm bestätigte sein Einverständnis." Als die Kriegsnot nahte, kam zutage, daß diesen Briefen keinerlei staatsrechtliche Bindung gefolgt war, es waren und blieben Privatmeinungen. Mr. Bryan erzählte weiter: „Vor einigen Tagen kamen amerikanische Bergwerksbesitzer zu mir, deren Gruben in Mexiko von der Regierung behindert werden. Sie verlangten, ich möge eine Kriegsdrohung als kalten Wasserstrahl an die mexikanische Regierung richten. Ich antwortete: „Nicht einmal als Drohung soll dieses verfluchte Wort in diesem Amt ausgesprochen werden." Der verruchte Krieg warf seine Flammenbündel bis nach Washington. Mr. Bryan schnürte sein Bündel und verließ das Amt. Nein, der Kellogg-Pakt bringt keine Ruhe, keinen gesicherten Frieden. „Der Krieg ist möglich, der Krieg ist wahrschein Ii ch." Amerika rüstet in furchtbarer Weise. Fast jeder Tag meidet bewilligte Dollarmillionen für Seerüstungen, für Kriegsvorbereitungen. x\nderseits will Amerika die Kriegsächtung durchsetzen, damit die Kanonen nicht eines Tages von selbst losgehen. Ehe noch Kelloggs edles Beginnen auch nur zu unterschriebenem Papier geworden ist, einigen sich England und Frankreich zu einem Marinevertrag, dessen Inhalt wir nicht kennen und England unterschreibt den Kelloggpakt nur unter der Bedingung, daß es seine Interessen in gewissen Ländern verteidigen darf. Alles, was die Menschen aller Weltteile jetzt in emsiger Arbeit schaffen oder in wilder Spekulation erraffen, es wird beim ersten Schuß