Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 9 (September 1928)
- Article
- Wenn die Juden verstünden Politik zu machen
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 498 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2912821-2912879-2912888-2922516--06967-2922590- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
498 MENORAH danken an den Schrecken der Menschen in der großen Hansastadt, deren Lebensodem bedroht war. Nein, noch ist nicht erwiesen, daß Deutschland in den WaiFengang hineingerissen würde, in welchem der rasche Tod droht. Denn das amtliche Deutschland ist pazifistisch, und Benzin schafft der geniale Chemiker Bergius aus minderwertiger Kohle, die Deutschland zum Überfluß aus der Erde holt. Aber das langsame Absterben wäre die sichere Folge dieses Weltkrieges. Wer will jene Tage vergessen, als die Meere für uns gesperrt waren, Fleisch und Brot, Fett und Zucker mangelten, die Leiber verfielen, die Seelen verdorrten und die Herzen beim Anblick der darbenden Kinder mit ihren verkümmerten Gestalten zusammenschrumpften? Nun denn, ein englisch-amerikanischer Krieg würde alle Weltstraßen sperren, würde Europa, ganz Europa aushungern und verderben. Die jüdische Politik, die Hoffnungen und Befürchtungen der Judenheit, stehen im Einklang mit denen der gesamten Kulturmenschheit. Als im Jahre 1911 das englische Unterhausmitglied Oberst F a b e r eine Anfrage einbrachte, ob es wahr sei, daß im Februar dieses Jahres die englische Flotte um die heimatlichen Inseln versammelt war, um an die deutsche Küste vorzustoßen, was der Minister nicht verneinte, da hat keiner von uns an die furchtbare Möglichkeit geglaubt, die drei Jahre später die Verwüstung der Welt einleitete. Diesmal wollen wir jedoch wach s-ein und als erste das Weltgewissen erwecken. Wo immer wir im Namen Gottes oder im Interesse der menschlichen Erfordernisse beisammen sind, sollen wir des drohenden Bruderkrieges gedenken und seine Abwendung beraten. Wir wollen nicht versäumen, Gott um Hilfe anzuflehen, unser Gebet um Frieden zwischen Amerika und England in die Himmel emporzusenden. Ob es möglich ist, den Schöpfer alles Lebens als Helfer zu erbitten? Ganz gleich, das Gebet hilft, es ergreift unsere Seele, erhellt den Geist, verfeinert unser Empfinden und macht uns empfänglich für Milde und Erbarmen. In Amerika und England glaubt man an die Macht des Gebetes. Der europäische Jude erinnere sich, daß die große transozeanische Republik seinen Stammesgenossen Hafen und Zuflucht war, als der Mord durch die Judengassen des europäischen Ostens schritt. Drüben sind sie in Freiheit erstarkt und wirtschaftlich gewachsen. „Schütze, o Herr, die Küsten dieses herrlichen Landes vor Massenmord und Kriegsnot." Wir erfahren Tag um Tag durch Bücher amerikanischer Autoren von den Gebrechen dieses Staates. Wir sollen aber nicht vergessen, daß