Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 9 (September 1928)
- Article
- Wenn die Juden verstünden Politik zu machen
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 500 (sequence 7)
- Language
- German
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500 MENORAH zerfallen und versinken, so wie die Menschenleben in den Stickgasen verhauenen werden. Dieser drohende Krieg geht uns alle an, denn die Staaten Europas, groß o-der klein, alt oder neugebildet, werden in Stücke reißen und ganz Europa unter ihren Fetzen begraben. „Erleuchte» o Herr, den Sinn der englischen Staatsmänner, auf daß sie eine redliche und aufrichtige Form wirkungsvollen Friedens mit den Vereinigten Staaten finden." Denn vorläufig ist ihre Zusage Ablehnung und diese trägt den Keim des Untergangs der weiß-en Rasse in sich. Der Fortschritt der Menschheit zur bürgerlichen Freiheit verdankt den Engländern sehr viel. Die Juden verdanken ihnen noch mehr. In keinem Lande der Welt gedeihen sie besser als im englischen Imperium, dessen weltenweite Freizügigkeit ihrer Arbeit und ihrem Unternehmungsgeist eine einzigartige Stütze bietet. England ist der einzige Staat, der seinen jüdischen Mitbürgern Gelegenheit zu diplomatisch-politischer Betätigung bis in den höchsten Rang hinauf gönnt. In Palästina und in Indien hat ein Jude den König von England vertreten und bei wichtigsten Staatsfragen wird der Rat von Juden eingeholt. Wollen wir nicht damit beginnen, in Wort und Schrift gegen die Möglichkeit anzukämpfen, daß dieser Staat mit den Vereinigten Staaten, mit der großen Zufluchtsstätte der Juden, zu kämpfen beginne? In Amsterdam tagten vor einigen Wochen die kriegsgegnerischen Geistlichen, die beschlossen, den Dienst als Feldgeistliche zu verweigern, weil es dem Sinn des Evangeliums widerspricht, Kriegstaten zu preisen: die jüdischen Seelsorger sollen ohne Ausnahme gegen jeden Krieg sprechen und immer wieder auf den drohenden Zusammenstoß zwischen England und Amerika hinweisen, der ihr Heimatland mit Vernichtung bedroht, wo immer sie leben, Mr. Kellogg hat erklärt, daß er die Hilfe aller kirchlichen Vereinigungen in Amerika aufrufen wird, um seinen Kriegsächtungsplan durchzusetzen. Wollen wir warten, bis wir gerufen werden? Und wollen wir diese hochstrebende Arbeit den Juden in Amerika überlassen? Es ist an der Zeit, zu beweisen, daß ein jüdischer Wille lebt, der Wille zum Frieden, zu menschlicher Arbeit, zu wahrer Verbrüderung durch praktische Politik. Wir Juden gebieten nicht über Kriegsschiffe, aber das Wort öffnet die Tore des Himmels und die Schrift bewegt die Herzen der Menschen: Redet und schreibet fortan und immer wieder über den drohenden Krieg zwischen Amerika und England, auf daß er vermieden werde.