Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 9 (September 1928)
- Article
- Wenn die Juden verstünden Politik zu machen
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 497 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2912821-2912879-2912888-2922516--06966-2922589- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
WENN DIE JUDEN VERSTÜNDEN. POLITIK ZU MACHEN 497 sie die Bibel zur Hand nehmen oder ihre spätere Geschichte erfahren und wissen, wie vielen Völkern ihr Schicksal verbunden war. Darum erstehen unter den Juden so leidenschaftliche politische Schriftsteller. Jedoch über Politik reden und schreiben oder Politik machen, das bedeutet eine ganz verschiedene Einstellung, einen ganz anders gearteten Gesamtkomplex, Und unser Ehrgeiz wäre, die Juden vom Objekt der Politik zum Subjekt zu erziehen. Der Zionismus hat einiges darin geändert. Er hat den Bann gebrochen, der durch fast zwei Jahr tausende die Juden zu Sklaven der Politik andersgesinnter, oft feindlicher Kräfte machte. Aber wir wollen und müssen weit hinausdenken über Palästina und Mittelmeer. Wir sollen bei Engländern und Amerikanern in die Schule gehen, in deren Ländern mehr als ein Drittel aller Juden leben und wir müssen endlich lernen, Worte zu Taten formen und die Spitze der Feder zur Schärfe des Schwertes härten. Wenn das unausdenkbare Unglück über uns hereinbrechen sollte, daß aus den Geschützen und Flugzeugen eines anglikanischen Volkes Tod und Verderben in die Reihen der Brudernation getragen würde, dann bedeutete dies sicherlich die Schwächung einer der bedeutendsten Rassen, vielleicht ihre Dezimierung, den Ausschluß des einen oder anderen Teiles von der Weltherrschaft, ganz bestimmt aber wäre mit dem Ausbruch eines englisch-amerikanischen Krieges das Ende der Judenheit besiegelt. Der letzte Weltkrieg fegte über die dichtbevölkerten Judenregionen hin. Die Spuren dieses Sturmes sind unverwischbar, die volle Vernichtung wurde durch die unvergleichliche öpferfähigkeit der amerikanischen Juden vermieden. Und aus England kam eine erlösende Botschaft, kam die unsterbliche Erklärung Balfours, das Vertrauen in die jüdische Arbeitslust bedeutet — man mag über den Zionismus denken, wie man will — in ihre Fähigkeit ein verkommenes Land aufzubauen und in die Opferfähigkeit der gesamten Judenschaft, die das Geld für den Aufbau Palästinas schaffen soll. Das alles steht und fällt mit dem Gedeihen der anglikanischen Völker. Wenn England und Amerika einander jemals bekriegen sollten, sind alle jüdischen Hilfsquellen verschüttet, die jüdische Zukunft vertan, alle Hoffnung begraben. Es sei hier gleich vorweggenommen, daß ein anglikanischer Bruderkrieg zugleich die Vernichtung Europas bedeuten würde. Wollen wir davon sprechen, daß die Phosgen Vergiftung in Hamburg uns eine furchterregende Warnung vor den mörderischen Folgen eines Zukunftskrieges in die Lungen wehte? Daß die Herz-en stocken bei dem Ge-