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Menorah · 1928-09-01 · Heft 9 (September 1928) · p. Seite 490

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 9 (September 1928)
Article
Also ein Jubiläum
Date
1928-09-01
Page
Seite 490 (sequence 4)
Language
German
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490 MENORAH „Also der Junge kommt auch mit in die Schule" (schon ein peinlicher Begriff), „das erste Mal, und wir bleiben die ganze Nacht da bis morgen abend um diese Zeit, und er muß auch m i t f a s t e n. Wie ich so alt war," setzte er mit unnachsichtiger Strenge hinzu, „habe ich auch schon durchgefastet." „Ich auch", meinte mein ältester Bruder. „Ich erst recht", der ältere Bruder. „Ach Gott, es wiird ja nicht ganz so schlimm werden", sagte die Mutter einlenkend, mit einem Seitenblick. „Ja, ja," sagte das Fräulein Seifert, „bei uns war das nie anders." Dieses schien mir zwar nicht glaubhaft, denn Fräulein Seifert trug eine Elfenbeinbrosche in Form eines Kreuzes und unterschied sich dadurch von uns anderen in nennenswerter Weise. Immerhin, das sah ich zur Genüge, die Lage der Dinge war sehr ernst. Und man konnte nie wissen, was sie da, sie alle, der Mann mit dem Backenbart an der Spitze, gegen mich eigentlich vorhatten. „Es ist vorgekommen," sagte der Vater bieder, „daß da Kinder verhungert sind. Natürlich, wenn man die ganze Nacht über nichts ißt." „Nun laß doch den Jungen schon", warf die Mutter ein. „Jedenfalls," begann der Vater von neuem, „nimm, nur jetzt ordentlich, mein Söhnchen. Denn, denke mal, bis morgen abend ... und die ganze lange Nacht über." Ich erkannte, daß die Sache für mich verzweifelt stand und bat noch einmal um Kalbsbraten und Kartoffeln. Die Mutter protestierte, am Abend äße man nicht so viel, und vor allem kein Fleisch. Aber der Vater sagte: „Der Junge hat ganz recht; er muß vorlegen!" Und dann sab er nach der Uhr: „Dalli, dalli, wir brauchen mindestens dreiviertel Stunden." Und damit schob er den Stuhl zurück, knüllte die Serviette zusammen und stand auf, und die anderen taten es gleichfalls. Jeder aber steckte dabei noch schnell den letzten Bissen vom Teller in den Mund, ehe man im abendlichen Halblicht mit flackernden Kerzen die ziemlich verwüstete Tafel zurückließ, um in den Korridor hinauszustürmen und sich anzuziehen. Ich aber warf einen schmerzlichen Blick auf sie zurück. Hier war noch alles die Hülle und Fülle. Brötchen, Knüppel, Semmel, Saizkuchen, silberne Obstschalen voll Birnen, Pflaumen und Weinbeeren,

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