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Menorah · 1928-09-01 · Heft 9 (September 1928) · p. Seite 488

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 9 (September 1928)
Article
Also ein Jubiläum
Date
1928-09-01
Page
Seite 488 (sequence 2)
Language
German
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488 M E N O R A Ii Reifen spielen konnte. Ganz weit und tief schnitt er ein, fast bis zur Hildebrandstraße. Heute stehen gewiß Häuser darauf. Er hatte Hecken mit Schneebeeren. Wissen Sie, solchen weißen Beeren, die man abreißen konnte, auf den Weg streuen und wenn man herauftrat, knallie es ganz kriegerisch. Man konnte sie auch gegen die Wand werfen. Dann knallten sie gleichfalls. Aber nicht so laut und gefährlich. Und Nußbäume waren da. Und wenn man Glück hatte und früh kam, bevor der Portier die Wege gekehrt hatte, konnte man noch Nüsse finden, die in der Nacht abgefallen waren. Wenn man aber einen guten Windstoß abpaßte, dann prasselte es nur so um einen herum. Auch Mehlbeeren gab es oder Mehläpfeichen. Kleine rotbackige Früchte, die süß und sauer zugleich schmeckten. Je nachdem, ob man sie reif oder unreif schon aß. Ich liebe sie bis heute, habe sie nie mehr gegessen und weiß bis heute eigentlich nicht, was sie sind. Ich glaube, es sind ganz simple Kornelkirschen (Cornus mas, wie der Botaniker sie benamset). Es kann aber auch etwas anderes sein. Diese Frage wird wohl im Rest meines Daseins nie geklärt werden. Und später wird niemand mehr daran gelegen sein, sie zu klären. Damals jedoch erschienen sie mir begehrenswert wie die Äpfel der Hesperiden. Von Kastanien spreche ich gar nicht. Nicht solche, die man etwa essen kann, nein, solche in grünen, stachligen Schalen . . . Roßkastanien; Schalen, die eines schönen Tages reißen und das Braun der Früchte durch den langsam sich vergrößernden Spalt glänzen lassen. Das ist zur gleichen Zeit, wenn die großen Blätter golden werden, sich ablösen vom Zweig, ohne daß ein Wind sie bräche, und nun von selbst auf die Luftreise gehen. Wenn sie wie ein großer fünfteiliger Fächer langsam in Kreisen und Ellipsen herabschweben. Manche bleiben so unberührt und breit auf dem Boden liegen wie eine Hand. Manche zerbrechen in einzelne Finger, so wie sie unten aufstoßen. Man kann das nie vorhersagen. Es gibt welche (Brüder), die aus Kastanien kunstvolle Wiegewaagen schnitzeln können, ohne sich mit dem Taschenmesser in die Finger zu schneiden, und sogar Henkelkörbchen, die noch schwerer sind. Denn der Henkel reißt immer ab, und es wird doch nur eine Wiegeschale. Auch kann man Kastanien durchbohren und auf eine Schnur ziehen. Aber all das ist doch belanglos, wenn man daran denkt, wie schön es ist, sie so, wenn sie eben aus der Schale gebrochen sind und blank und glatt und rein sind wie nichts sonst, geädert und bebändert mit dem helleren Mal ihrer Rundung. .. wie schön das ist. . . sie so zu allererst durch die Finger gleiten zu lassen. Sie sind kühl und wundervoll anzufassen wie die Mahagonisäulen an dem alten Glas-

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