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Menorah · 1928-09-01 · Heft 9 (September 1928) · p. 487

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 9 (September 1928)
Article
Also ein Jubiläum
Date
1928-09-01
Page
487 (sequence 1)
Language
German
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MENORAH ie alt kann ich damals wohl gewesen sein? Ich kann es zurück- Y ▼ rechnen. Die Schule hatte noch nicht ihre Krallen nach mir ausgestreckt, aber wir wohnten auch nicht mehr dort, wohin meine ersten Erinnerungen zurückgehen, nebenbei mit einer Deutlichkeit der Räume, Menschen und Ereignisse, die manche späteren Jahre nicht haben. Also vier Jahre war ich nicht mehr, und sechs Jahre war ich noch nicht. Ich kann nur fünf Jahre oder noch nicht fünf Jahre gewesen sein. Und dann feiert es heute eben so in einem Monat sein goldenes Jubiläum. Wird^nun gerade so fünfzig Jahre her sein. Während erst im Blumeshof meine Welt mit dem Kanal, seinen grünen Rasenufern und seinem Treidelweg — heute fließt er in steinernen Böschungen dahin — und mit seinen himmelhohen Rüstern abschloß ... mit der Potsdamerbrücke endete, mit der Ecke der Karlsbader Privatstraße, wro meine Spdelschule war... mit der Oblatendruckerei, die am Square lag» und deren Maschinen hinter Kellerfenstern ich rastlos sich bewegen sah, und die schönsten Bogen buntester Oblaten verschlucken und auswerfen. . . schloß jetzt meine Welt mit der grünen Mauer des Tiergartens ab, in den die Bendlerstraße auslief. Mit der Konditorei von Maukert, in der man zweiunddreißig Fruchtperlen in allen Farben für einen Sechser bekam, dreißig regulär und zwei noch als Zugabe. Die neue Parterrewohnung hatte nicht nur ein kümmerliches Vorgärtchen mit Blattpflanzen und das Rund einer Fontäne, die stets ohne Wasser und deshalb als Karussell ohne jede Gefahr für mich war, wie jene in Blumeshof; sondern sie hatte einen Vorgarten mit Fliedersträuchen, die so dick und alt waren, daß man richtig auf sie hinaufklettern konnte (nie wieder bin ich seither auf einen Fliederstrauch geklettert), und sich in eine Astgabel setzen konnte und von da die lange sonnige Straße ansehen. Den Sitz konnte man sogar komfortabler gestalten, wenn man die Füße auf die Spitzen des eisernen Gartenzaunes stellte. Das war was anderes wie in Blumeshof. Und einen Hintergarten hatte sie, so groß war er, daß man darin VI. JAHRGANG SEPTEMBER 1928 NUMMER 9

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