Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 8 (August 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 478 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2912821-2912879-2912887-2922390--06919-2922485- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
478 MENORAH daß es so viele Moskitos auf der Welt gibt. Noch vor Sonnenuntergang verbinden wir uns die nackten Knie und reiben Hände, Gesicht und Hals mit einer fettigen Salbe ein, aber dem Ungeziefer schmeckt unsere Salbe förmlich wie Konfitüre und sie stechen mit einer solchen Begeisterung, daß man des Kratzens müde wird. Resultat: am dritten Morgen gingen zwei Soldaten an Malaria krank ab. Ich hielt Kriegsrat mit meinem Sergeanten (er lebt auch in meinem Harem) und wir faßten den Beschluß, auch die fliegende Bevölkerung aus dem Dorfe zu evakuieren. Ich ließ den Telephonisten zwei große Kisten Petroleum beim Bataillonskommando anfordern; den Korporal Stukalin — einem der bravsten Proselyten — und dem Korporal Jisrael, welcher nach Verbüßung einer zweiwöchentlichen Strafe, anläßlich einer Prügelei mit der Mililarpolizei, wieder zu uns eingerückt ist — diesen beiden befahl ich, von Haus zu Haus und von Bude zu Bude zu gehen und alle feuchten Stellen zu registrieren, wo sich Moskitonester befinden könnten. Bei allem Respekt vor unseren „Schneidern", auf die ich nun große Stücke halte, ist diese Arbeit jedoch von besonderer Bedeutung, so .daß ich sie nur unseren Boys vom Zion-Mule-Corps anvertrauen kann. Spät abends kehrten sie von ihrer Expedition zurück, vom Kriechen auf der Erde staub- und schmutzbedeckt bis an die Ohren, denn das Gehen ist doch verboten. Sie brachten uns drei Adressen von Moskitohauptquartieren mit — ein Brunnen, eine feuchte Höhle und ein zerstörtes Bad. In der Nacht brachten dann die guten Bataillonseseln das Petroleum: durch ein Wunder Gottes gelang es dem Telephonisten, sich mit dem jenseits des Berges liegendem Bataillonskommando doch zu verständigen. Mit großer Zeremonie gingen wir daran das feindliche Lager mit Petroleum zu vergiften; der Feind machte einen schrecklichen Gegenangriff — ich bin noch heute, drei Tage darauf ganz wundgebissen. Aber heute nacht gibt es in Abuein lediglich noch einen kleinen Zug von einsamen, versprengten Moskitos, die sang- und klanglos umherfliegen und nicht nur keinen Appetit auf unser Blut, sondern nicht einmal auf jene Salbe haben ..." „... Und von den Schneidern bin ich täglich mehr entzückt. Ich muß Euch eine Episode berichten: gestern gab es einen großen Tag. Die Kolonisten von Rischon haben uns ein Geschenk geschickt, das zwei Esel schleppen mußten — Trauben, Feigen, Strudel mit Dattelmus gefüllt.. . Ich hege den Verdacht, daß auch Wein dabei gewesen war, aber das irische Element im Bataillonskommando hat anscheinend beschlossen, daß er Leuten, die in „Niemandsland" wohnen, nicht zuträglich sein wird . .. Um 12 Uhr mittags, nachdem der Zug