Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 8 (August 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 477 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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VOM NIL ZUM JORDAN 477 kommando gibt es ein Feldtelephon, durch das man von 10 Worten bestenfalls zwei und manchesmal auch nicht eins hören kann. Mittels dieses Brockens von Zivilisation kannst du dir vom Bataillonskonimando alles nötige „bestellen" — Zündhölzchen, Tabak, Chinin, Verbandzeug, Munition oder Posts wenn welche vorhanden; und nachts kommt eine Partie Soldaten mit sechs kleinen Eseln und bringt alles Nötige — oder nicht. Zu Hause besitze ich einige aus Abuein geschriebene Briefe, von denen ich hier einzelne Abschnitte folgen lasse: ...„Jeder Mensch hat in seiner Jugend zwei Träume: erstens König oder wenigstens Statthalter zu werden; dann einen mohammedanischen Harem von Innen zu sehen. Mir sind beide Träume in Erfüllung gegangen. Sieben Tage lang bin ich Gouverneur von Abuein, ich kann befehlen was mir beliebt, kann, wenn ich will, das ganze Dorf dem Erdboden gleichmachen, (d. h. wenn ich am achten Tag vor das Kriegsgericht kommen will). Und ich lebe in einem Harem, in einem wirklichen Harem, mit vernageltem, dichtem Holzgitter an jedem Fensler. Meiner Freude wird aber ein wenig Abbruch getan, durch die Tatsache, daß die Damen des Harems sich irgendwo anders befinden, und mein Königreich nur von meinem Zug bevölkert ist. Aber immerhin ist das eine interessante Erfahrung." ,... .Unser eigentliches Leben spielt sich in der Nacht ab. Bei Eintritt der Dunkelheit wird die Wache an drei verschiedenen, das ganze Tal überblickenden Punkten aufgestellt, und eine Viertelstunde muß ich den feurigen Korporal S., den Führer des Horchpostens Nr. 2, belehren, vor Abgabe eines Schusses aufzupassen, daß nicht eine den Türken geltende Kugel unsere ins Lager heimkehrende Patrouille treH'e. Dann beginnt die konstruktive Tätigkeit, Der Colonel befahl, die Drahthindernisse auszubessern, in die die türkischen Granaten Löcher geschlagen haben, und eine Wand höher zu machen, die bei Tag als Maskierung dient, wenn der Telephonist im „O-Pip" abgelöst wird. Die Wand ist allzu niedrig und der Colonel befürchtet, daß der türkische Weitblick eine gelbe Kappe, zwischen gelben Steinen auf eine Entfernung von zwei Meilen erkennen würde. Also ziehe icli jene Soldaten zur Arbeit heran, die dienst- und auch malariafrei sind, und gemeinsam erfüllen wir das Gebot: „Aufbau des Landes." „... Hedad! Wir haben die Malaria besiegt. Während ich Euch schrieb, daß mein Königreich unbevölkert ist, meinte ich damit nur die Menschen. Aber eine andere Einwohnersorte blieb in Abuein zurück — Millionen Einwohnerl Ich habe mir nie im Leben vorgestellt,