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Menorah · 1928-08-01 · Heft 8 (August 1928) · p. Seite 476

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 8 (August 1928)
Article
Vom Nil zum Jordan
Date
1928-08-01
Page
Seite 476 (sequence 12)
Language
German
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476 MENORAH der schlimmste Moment. Man ist sehr nahe an den Feind herangekommen — und man kann es nicht verhindern: unter den Füßen rollt das Gestein. Plötzlich kracht ein Schuß, und es blitzt irgendwo in der Nähe des letzten Soldaten auf (man marschiert im Gänsemarsch; laut Vorschrift muß der Offizier in der Mitte sein, aber der Offizier muß „fesch" sein und vorausgehen, und „fesch-scin" ist stärker als Gesetz). Ein zweiter Schuß. Flüsternd „schreist" du: „Nieder"! Die ganze Patrouille wirft sich zu Boden. Und du bemerkst in einer Entfernung von 300 Schritten einen winzigen Funken, der sich in der Höhe zu einer Rakete entzündet, die die breite Fläche des Tales, den Wald, ein ausgetrocknetes Flußbett, Felsen und Abgründe mit rotem Licht übergießt. Das war die türkische Gegenpatrouille, die eine Leuchtrakete abgefeuert hat. Dann aber kommt dir dein eigenes Bataillon zu Hilfe: aus Abuein, aus Dschildschilijah, aus allen „Ssangars" bricht ein wildes Maschinengewehrkonzert los. Selten, aber doch manchmal, mengt sich aus der Ferne die englische Artillerie in die Diskussion. Wie nachts ein Eisenbahnzug in den Schweizer Bergen, so schlängelt sich majestätisch ein Feuersclrweif über deinem Haupte, dann ein zweiter, ein dritter und explodiert mit donnerndem Hall auf dem türkischen Berge. Und obwohl man weiß, daß dies nichts mit unserer Patrouille zu tun hat, flüstern die Soldaten: Alles unsertwegen! Man würde sich sehr stolz fühlen, wenn einem der Sinn danach ginge. Der Lärm dauert eine halbe Stunde, dann wird es wieder still; und wieder heißt es auf allen vieren, das Camp erklettern, wo ein Kessel heißen, süßen Tees deiner harrt — ein Labsal! Die andere Gefahrenzone ist Abuein. Dieses Dorf gehört zu unserer Front, weil es nicht in türkischen Händen ist; aber es liegt in „Niemandsland". Wenn du unseren Berg nach der türkischen Seite hinabsteigst, stößt du 100 Meter tiefer, auf eine Art Fortsetzung dieses Berges, die eine gewaltige Terrasse oder ein großes Plateau darstellt, und auf diesem Plateau steht ein arabisches Dorf mit nahezu fünfzig Häuschen. „Abuein" bedeutet auf arabisch „zwei Väter". Weder in der Bibel, noch im Talmud wird, glaube ich, diese Ortschaft erwähnt. Aber es scheint den hinterbliebenen Ruinen nach zu schließen, einst kein armes Dorf gewesen zu sein. Allwöchentlich wurde ein anderer Zug nach Abuein geschickt, der dort sieben Tage verbleiben mußte. Bei Tage durfte man selbstverständlich zwischen dem Dorfe und dem Bataillonslager nicht herumpendeln — man könnte von den türkischen Stellungen aus beobachtet werden. Der Verkehr spielte sich nur in der Nacht ab. Zwischen dem „O-Pip" in Abuein und dem Bataillons-

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