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Menorah · 1928-08-01 · Heft 8 (August 1928) · p. Seite 475

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 8 (August 1928)
Article
Vom Nil zum Jordan
Date
1928-08-01
Page
Seite 475 (sequence 11)
Language
German
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IRI
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VOM NIL ZUM JORDAN 475 selten beobachteten wir ein Duell zwischen zwei Fliegern, bei dem beide, wie zwei Wagen oder Pferde eines Karussels um einen Mittelpunkt kreisten, während ihre Maschinengewehre knatterten und den Himmel mit weißen Flocken, wie mit flaumiger Wolle bedeckten. Auch von Gasangriffen spürten wir nichts, obwohl bei uns plötzlich Milte Juli Gasübungen eingeführt wurden. Jeder mußte sich den ganzen Tag, mit schweren Gasapparaten auf dem Bauch, abschleppen und an jedem Morgen das Kunststück wiederholen, eine Gasmaske anzulegen, bis man sechs gezählt hui. Gefährlich waren in jenen Monaten bloß zwei Dinge: auf Nachtpatrouille zu gehen und eine Woche lang im Dorfe Abuein zu verbringen. Als Nachtpatrouillen wurden acht bis zwölf Mann unter Führung eines Leutnants ausgeschickt. Sie mußten die schweren Kommisschuhe mit dicken Fetzen umwickeln, um keinen Lärm zu verursachen. Die nackten Knie wurden auch mit Fetzen umhüllt, da wir alle wie junge Burschen Kniehosen trugen und die Berge mit mannigfachen Dornen und Disteln bedeckt waren. Einige Stunden vor dem Abmarsch erhielt der Offizier vom Bataillonskommando ein geschlossenes Kuvert, in dem sich eine genaue Beschreibung der Wege befand, den die Patrouille in der betreffenden Nacht zu machen hatte. Oft bedeutete das nicht bloß einen Spaziergang ins Tal, sondern man mußte auch den Berg erklettern, den der Feind inne hatte — manchmal bis auf 200 Meter Entfernung von der Stelle, die auf unserer Karte mit roter Tinte als der Standpunkt der feindlichen Posten eingezeichnet war. Das wrar keine leichte Arbeit. Zuerst mußte man in der Dunkelheit, mit dem Gewehr in der Hand, mehr als 300 Meter, über Felsen und Nesseln hinunterklettern, und dabei noch aufpassen, daß kein Geräusch entstehe. Dies allein dauerte eine gute Stunde. Dann ging es eine Meile rechts imcl eine Meile links ins Tal, hinter Bäumen versteckt; man fragte flüsternd den Sergeanten, ob jener dunkle Fleck ein türkischer Posten oder ein ganz gewöhnlicher Kaktus sei. Dann kam das Schwerste: auf den feindlichen Berg klettern und den Weg mit dem Kompaß suchen, laut solchen Bezeichnungen des Intelligenzbüros: „südlich von einem gespaltenen Feigenbaum", oder „zehn Schritte rechts von einer Pfütze". Endlieh gelangt man zu „einem Stein. 5 Meter hoch, vom Norden her wie der Kopf eines Flußpferdes aussehend"; aber wer hat denn ein Flußpferd gesehen und überdies noch in solcher Nähe, daß er sein Profil in finsterer Nacht erkennen würde? Nun wird Bast gehalten. Unter die Soldaten wird Schokolade verteilt. Und dann wieder, totmüde, zwei Stunden klettern und kriechen. Das ist vielleicht

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