Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 8 (August 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 474 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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474 MENORAH geheißen. Hier zwischen zwei öden arabischen Dörfern, Abuein links und Dschildschilijah (eine der vielen Ortschaften, die die Bibel „Gilgal" nennt) rechts, lag unser Frontabschnitt. Stellt euch ein langes, etwa 600 Meter hohes Gebirge vor, das sich wie eine Kette von Westen nach Osten zieht. Längs der Nordseite dieses Gebirges erstreckt sich ein tiefes Tal und jenseits des Tals ■— eine andere parallel laufende Bergkette, die noch höher ist als die erste. An der ersten liegt unser Camp, die zweite ist in türkischen Händen. Die Entfernung von einem Bergrücken bis zum anderen beträgt nahezu zwei Meilen. Die Zelte des Feindes können nicht einmal mittels eines Feldstechers gesichtet werden, da sie nicht auf dem Höhenrücken, sondern etwTa 200 Fuß unterhalb auf der uns abgewandten Seite stehen. Bei Tag ist es verboten, sich auf dem Kamm zu zeigen. Die Beobachtungsposten verbergen sich in steinernen Stützpunkten (O-Pips). Bei. Nacht wird eine verstärkte Feldwache auf die dem Feinde zugewendete Seite des Berges ausgeschickt. Die Feldwachen decken sich hinter niederen steinernen Wällen, die den hindostanischen Namen „Ssangars" führen. Überdies begibt sich eine Patrouille allnächtlich ins Tal und bleibt dort, solange die Dunkelheit anhält, um einen eventuellen türkischen Überfall zu avisieren. Das war eine ruhige Zeit, wie geschaffen für unerfahrene Soldaten, die sich erst an die Kriegsatmosphäre gewöhnen müssen. An jedem Morgen begrüßten uns die Türken mit einem halbstündigen Artilleriefeuer. Aber ihre Geschosse gingen immer weit rechts von unserem Lager, auf einem einsamen Berg nieder, wo es überhaupt keine Menschen gab. Ein Drittel waren Blindgänger. Nur drei- oder viermal hatten sie es wirklich auf unser Camp abgesehen, einmal sogar spät nachts, aber auch dies fügte uns keinen Schaden zu. Die Berge jener Gegend fallen nicht in einer Schräge ab, sondern in Terrassen; jede Terrasse ist breit und über ihr erhebt sich ein steiler Hang in der Höhe eines zwei- oder dreistöckigen Hauses. Einst werden wir diese Terrassen vielleicht für Pflanzungen ausnützen, diesmal aber dienten sie anderen Zwecken. Unser Lager befand sich hart am Fuße eines solchen Hanges und da die Granaten eine elliptische Kurve beschreiben, konnte uns das türkische Artilleriefeuer wenig anhaben. Wahrscheinlich haben ihnen auch unsere Geschosse nicht viel tun können, aber die englische Artillerie schoß sehr selten. Den Krieg auf unserer Front wird man heute in die Kategorie des ,,Kleinkrieges" einreihen. Von den modernen, wissenschaftlichen, halsbrecherischen Kunststücken wrußte man bei uns fast nichts. Nur