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Menorah · 1928-08-01 · Heft 8 (August 1928) · p. Seite 471

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 8 (August 1928)
Article
Vom Nil zum Jordan
Date
1928-08-01
Page
Seite 471 (sequence 7)
Language
German
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VOM NIL ZUM JORDAN 471 1918, vier Monate nach der Eroberung von Jerusalem, fand ich in der Heiligen Stadt eine schreckliche Armut. Kinder bettelten auf den Straßen um Brot: ,,Geben Sie mir kein Geld, kaufen Sie mir ein Stück Brot" — ich selbst habe es gehört. Jüdische Kinder als Bettler — das war für Jerusalem etwas Neues. Vor dem Kriege sah man jüdische Bettler bloß bei der Ostmauer. Sogar die Chalukkah-Leute bettelten nie in den Straßen; und ihre Jungen hielten sich vom frühen Morgen bis in die Nacht im Cheder auf, ihre Mädchen blieben zu Hause. Aber mit dem Hunger ist nicht zu spaßen .. . Eine noch größere Tragödie als der Hunger hatte sich im Jischuw, im letzten Jahre vor der Besetzung durch die Engländer, abgespielt. Das war der „Riggul" — die Spionage. Ein starker Mann von großer Begabung, nicht minder groß durch Vorzüge als durch Fehler, hatte unter den Augen Dschemal Paschas und seiner türkischen und deutschen Stabsoffiziere eine geheime Organisation aufgebaut, um den Engländern mit Informationen über die Zustände im Lande und in der türkischen Armee behilflich zu sein. Er schuf Verbindungen zwischen seiner Zentrale in Palästina und dem Hauptquartier in Ägypten. Einige Male hatten englische Unterseeboote seine Agenten nach Port Said und zurück gebracht. Die Engländer behaupten, daß diese Organisation viel zu ihrem Siege beigetragen habe. Der Jischuw aber, die meisten und besten Leute, sprechen noch heute mit Haß und Ekel darüber. Ich will mich in dieser Frage nicht als Richter aufspielen. Aber zweierlei w7eiß ich: erstens, daß es unter den Leuten, die sich an dem „Riggul" beteiligten, Figuren von epischer Willenskraft gab, von romantischer Bereitwilligkeit, ihr Leben aufs Spiel zu setzen, das letzte Opfer zu bringen. Ich hoffe, es wird sich noch ein Dichter finden, der jene Epoche schildern wird, jene Gestalten mit ihren Fehlern und großen Heldentaten, mit ihrem Leichtsinn und ihrer Tapferkeit bis in den Tod. Das zweite ist das schreckliche Elend, in das der ganze Jischuw durch diese Organisation gestürzt wurde. Sarah Aronson, die die Türken zwei Tage hindurch in Sichron-Jaakob gefoltert, mit mittelalterlichen Grausamkeiten gepeinigt hatten, mit Bambusrohren und heißen Eiern unter den Armen, und mit weiß der Teufel was für Marterwerkzeugen, bis sie sich vor ihren Augen erschoß, ohne auch nur einen einzigen Namen verraten zu haben, und die zwei oder drei jungen Leute, die auf dem Marktplatz in Damaskus gehenkt wurden, waren nicht die einzigen Opfer. Verhaftungen und Hausdurchsuchungen wüteten im ganzen Lande. Es gibt in Palästina viele ganz unschuldige Leute, denen in jenen Tagen auf Befehl der türkischen

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